Reither Kogel: Voralpen-Feeling im Zillertal

15. Mai 2015

Ist es sinnvoll, von München aus nur für eine kleinere Tagestour bis ins Zillertal zu fahren? Ökologisch? Nein. Ökonomisch? Nein. Aber manchmal lohnt es sich irgendwie trotzdem.

Man könnte ja meinen, ich hätte das Zillertal wandertechnisch inzwischen einigermaßen abgegrast. Aber nein – zum Beispiel bin ich noch nie auf dem Reither Kogel gewesen. Der steht zwischen Bruck im Zillertal und Reith im Alpbachtal und sieht, ganz ehrlich, nicht danach aus, als würde er sonderlich oft vom Zillertal aus bestiegen. Von Reith aus kann man nämlich die Seilbahn nehmen und hat dann nur noch eine halbe Stunde bis zum Gipfel. Gleichzeitig wirkt der Berg im Vergleich zu seinen Zillertaler Nachbarn ziemlich zahm: ein bewaldeter Hügel von gerade mal 1336 m. Am Gipfel wurden ein paar Bäume gefällt, damit man zumindest einen Blick ins Zillertal und auf die Berge um Alpbach herum werfen kann.

Zillertal-Panorama

Der Weg hinauf von Bruck ist allerdings erstaunlich schön. Man hat die Wahl zwischen einem längeren Weg mit einigem an Fahrweg oder einem steilen Waldpfad, der streckenweise erstaunlich alpin daherkommt. Ich bin den Steig hinauf und die Fahrstraßenroute hinuntergegangen. Wegen Holzarbeiten (denke ich) musste ich im Abstieg einen noch etwas größeren Schlenker machen als geplant, aber selbst das war noch okay. Dabei habe ich dann gelernt, dass es eine (schmale, bergige) Straße zwischen Zillertal und Alpbachtal gibt.

Wieder einer von der Schon-lange-mal-Liste gestrichen. Dabei ist doch erst Mai…


Ahornspitze – Ein kleines Jubiläum

10. November 2014

Südgipfel2001, in meinem ersten Jahr in Oberbayern, bin ich das erste Mal auf die Ahornspitze gestiegen. Ich war etwas größenwahnsinnig und bin damals den (heute nicht mehr beschilderten) Weg über die Popbergschneide gegangen.

2003 war ich das zweite Mal oben. Im Schneeregen sind wir zu dritt über den alten Normalweg hochgestiegen. Wäre ich alleine gewesen, wäre ich vermutlich umgedreht.

2005 waren wir nochmal oben, und diesmal schien tatsächlich die Sonne. Der alte Normalweg war inzwischen gesperrt und aufgegeben worden, und so ging es erstmals über den heutigen Normalweg rauf. Am Ende haben wir an der Edel-Hütte auf der falschen Seite gesessen und das heraufziehende Gewitter nicht bemerkt, aber wir mussten durch – letzte Talfahrt und so.

2008 habe ich meine Eltern – langjährige Zillertal-Fans – begleitet, als sie das erste Mal zum Gipfel aufgestiegen sind.

2014 war ich wieder oben. Einfach so. Es war der letzte Betriebstag der Seilbahn, und ich fand es faszinierend, dass man Mitte/Ende Oktober noch ohne Probleme auf 2970m aufsteigen konnte. Mein fünftes Mal!

Zillergrund

Was ich mit all dem sagen will: Ich mag diesen Berg.

Ja, er ist inzwischen sehr bekannt und liebt und daher an schönen Tagen durchaus überlaufen. Aber der Weg ist angenehm und gleichzeitig interessant, der Gipfelblick könnte kaum beeindruckender sein, und es ist ein… richtiger Berg. Diese Form, bei der ganz klar ist, wo „oben“ ist (auch wenn es am Ende zwei Gipfel gibt, jaja); zu der man später aus dem Tal hinaufblicken kann und ganz genau weiß, wo man war, wenn man sagt „da oben war ich“ – das hat was.

Nächstes Mal vielleicht wieder via Popbergschneid.


Kaserer Schartl & Frauenwand – Mehr Murmeltier fürs Geld

10. September 2014

SentryIch glaube, als ich das letzte Mal (am Rande) über den Weg vom Kaserer Schartl über die Frauenwand zum Tuxer Joch geschrieben habe, habe ich eine Sache etwas vernachlässigt: die Tatsache, dass man hier praktisch eine Murmeltiergarantie hat. Schon kurz hinter der Sommerbergalm hängen die ersten Murmeltiere rum, und dabei ist die ja nun dank der Zillertaler Gletscherbahnen nicht unbedingt ruhig gelegen. Und wenn man dann in das kleine Tal hinaufsteigt, dass zum Kaserer Schartl führt, dann steigt die Murmeltierdichte nochmal an. Nur in der Mitte, wo die Kühe weiden, ist es etwas weniger. Mögen sich Murmeltiere und Kühe vielleicht nicht so?

This WayVon den Murmeltieren abgesehen, ist dieser Rundweg natürlich eine hübsche – wenn auch etwas kleinere – Tour. Was ich aber empfehlen würde, auch wenn man sich den Kleinen Kaserer nicht zumuten möchte: Macht doch trotzdem mal vom Kaserer Schartl einen Abstecher in Richtung Geraer Hütte, und dann links hinauf über den kleinen Grasrücken bis dorthin, wo der Schotter beginnt. Da ist kein Mensch, und der Blick ist mindestens so schön wie von der Frauenwand – ein idealer Rastplatz also.

Aber natürlich sind wir trotzdem danach zur Frauenwand weitergegangen.
Tuxertal


Berliner Hütte – Die letzten 20 Minuten

31. August 2014

Das meiste, was man über den Weg zur Berliner Hütte aus dem Zamser Grund sagen kann, habe ich eigentlich vor zwei Jahren schon hier gesagt. Um es zusammenzufassen: Ja, es ist ein langer Fahrweg, aber es passiert landschaftlich erstaunlich oft etwas, so dass einem der Weg trotzdem nicht lästig wird. (Zumindest nicht im Aufstieg.)

Großer MöselerLetztes Mal hatte ich es allerdings nur bis zur Alpenrosenhütte geschafft. Diesmal haben wir dagegen auch die Berliner Hütte erreicht; es sind auch wirklich nur zwanzig Minuten mehr. Die ist schon imposant, allein von der großzügigen Architektur her. Und, klar, sie steht auch nur auch gut 2000m Seehöhe und ist fast bis zuletzt über einen – wenn auch im hinteren Teil abenteuerlichen – Fahrweg versorgbar. Aber dadurch, dass sie rein in Kilometern so fern der sonstigen Zivilisation und so nah an den Gletschern und alpinen Gipfeln der Zillertaler Alpen steht, wirkt sie total bizarr – fast wie ein Außenposten, ein Fort an der Grenze zur Wildnis.

Est. 1879Absolut empfehlen kann ich übrigens, einmal die etwas längere Variante zwischen Berliner Hütte und Alpenrosenhütte zu gehen, egal, ob im Auf- oder Abstieg. Dazu steigt man (im Aufstieg) in Richtung Schönbichler Horn auf der gegenüber liegenden Talseite auf und zweigt auf der alten Moräne des Waxeggkees nach links zur Berliner Hütte ab. Dadurch gibt es noch einmal einen völlig anderen Blick (unter anderem zur Zsigmondyspitze), und direkt unter der Berliner Hütte trifft man auf faszinierende Schliffböden, ganz glatte Felsplatten, über die man läuft.

Aufgefallen ist mir am Rande übrigens, dass der Parkplatzwächter in Breitlahner ganz selbstverständlich davon ausging, dass wir zur Berliner Hütte wollten. Offenbar ist es wirklich selten, dass Leute von Breitlahner aus zum Friesenberghaus gehen – so wie ich letztes Jahr

 


 

 

Strecke: Vom Parkplatz in Breitlahner aus geht es zunächst in gemächlicher Steigung durch den Zemmgrund bis zur Schwemmalm. Hier wird der Fahrweg nun etwas steiler und zieht sich mit gelegentlichen Serpentinen weiter hinauf zur Grawandhütte und zu den Almböden der Grawandalm. Hier wird der Fahrweg nun schmaler und zieht sich am Hang entlang bis zur Alpenrosenhütte. Hier der Hütte beginnt ein überwiegend mit großen steinernen Platten ausgebauter, leichter Pfad hinauf zur Berliner Hütte.

Sehr lohnend ist eine kleine Variante beim Abstieg: Zunächst über die Gletscherschliffplatten hinab in Richtung Schönbichler Horn, dann über eine kleine Nase hinauf, bis man auf den direkten Weg von der Alpenrosenhütte zum Schönbichler Horn trifft. Diesem folgt man wieder hinunter zur Hütte. Von dort geht es auf dem Anstiegsweg zurück.


Schartenjoch – Doppelter Name, halber Weg

13. Juli 2014

An manchen Tagen ist das Wetter einfach nur schlecht, da bleibe ich dann bevorzugt zu Hause. Aber manchmal ist das Wetter „nur“ frustrierend, und das hier war leider ein solcher Tag. Die Sonne schien zwar, aber nicht auf mich. Mit anderen Worten: Wolken hingen an den Hängen, mal direkt vor mir, mal „nur“ an den ferneren Bergen, auf die ich ansonsten Aussicht gehabt hätte. Im Tal schien die Sonne.

Warum kann ich einfach nicht im Tal bleiben?

AstenNun ja, im Nachhinein ist man immer schlauer, und wenigstens habe ich eine Strecke erledigt, die schon lange auf meiner Liste stand: von Stummerberg im Zillertal zum Schartenjoch. Und die hat sich als durchaus spannende, abwechslungsreiche Wanderung herausgestellt – auch wenn es, rein nach Kilometern betrachtet, lange über Fahrwege geht. Aber da man ein paar Mal zwischen Fahrweg und Steig wechselt, und das Gelände und die Flora sich oft ändern, kommt einem das gar nicht so schlimm vor. Zuerst geht es zwischen Wald und Asten (Mini-Almen auf halbem Weg zwischen Tal und Almweiden) hindurch, im oberen Teil des Fahrwegs dann eine ganze Weile durch schier endlose Blaubeerfelder. Ich fand das faszinierend; in der Form hatte ich das noch nicht gesehen. An der Brunnalm verdrängen dann die Alpenrosen die Blaubeeren bis zum „Gipfel“. Der ist wenig ausgeprägt, wie der Name schon vermuten lässt, bietet aber einen schönen Rundblick (zumindest theoretisch) in den Märzengrund und übers Zillertal hinweg.

Zwischen welchen beiden Zielen das hier allerdings zur Zeit der Namensgebung sinnvollerweise eine Scharte oder ein Joch gewesen sein soll, ist mir nicht ganz klar. In den Märzengrund kam man bestimmt auch früher schon mit weniger Aufwand „unten“ entlang?

Am SchartenjochSchade ist an der Tour nur, dass man eigentlich wieder über den Aufstiegsweg zurück muss. Das Gelände wirkt, als könne man recht problemlos weglos zur Kapaunsalm queren, aber: Ich habe es versucht, aber so richtig empfehlen kann ich es nicht. Nach zehn Minuten muss man einen steilen Wiesenhang abwärts queren, um in ein kleines Geröllfeld zu gelangen, und das ist kein Spaß (und bei feuchtem Boden echt gefährlich, würde ich annehmen). Danach kommt man dann mit ein wenig Orientierungsvermögen allerdings relativ problemlos voran und stößt irgendwann auf den Fahrweg, der am Kapaunsjoch-Gipfelchen vorbeiführt. Es ist wirklich schade, dass hier kein Weg angelegt wurde.

Eine Alternative scheint aber zu sein, noch ein Stück in Richtung Speikspitze aufzusteigen und dann erst rechts abzubiegen. Vielleicht probiere ich das beim nächsten Mal aus…

 


 

 

Strecke: Vom Parkplatz geht es zunächst den Fahrweg in Richtung Märzengrund, dann bald scharf nach rechts auf einen weiteren Fahrweg, dem man nun eine Weile folgt. An einer weiteren Kreuzung geht man am besten rechts; nach wenigen Minuten zweigt hier links ein Steig ab, der gegenüber dem ursprünglichen Fahrweg eine willkommene Abkürzung darstellt.

Am Ende des Steiges geht man links zurück auf den Fahrweg und folgt diesem über zwei weitere Verzweigungen (rechts, dann links) durch den Wald bis zur Brunnalm. Hinter den Almgebäuden geht es in einer weiteren Serpentine über alte Fahrspuren; an deren Ende weisen Markierungen den Weg über gelegentliche Steigspuren bergan. Nach kurzem steilen Anstieg gelangt man in etwas sanfteres Gelände. Hält man hier auf den Bergrücken zu, kann man sich kaum mehr verirren.

Der Abstieg erfolgt auf dem Anstiegsweg.


Müllachgeier – Auf der Flucht vor den Kühen

27. Oktober 2013

Wildgerlosblick

Ende September wollte ich von Gerlos zum Kastenwendekopf wandern – obwohl das Internet diese Wanderung nicht zu kennen scheint. Kurzfristig habe ich mich dann aber doch umentschlossen, und das kam so.

Schon auf der Fahrt hinauf aus dem Zillertal kamen mir die ersten Kuhherden entgegen. Es war nämlich – was ich vorher nicht wusste – der Tag des Almabtriebs auf der Trasse Gerlos – Hainzenberg – Zell am Ziller. Als ich an den Gerloser Seitentälern vorbeikam, sah ich zwar nicht noch mehr Kühe, aber jeweils eine Handvoll Leute, die offenkundig darauf warteten, dass die Kühe aus dem Tal herunterkamen. Und in Gerlos selbst war dann entlang der Hauptstraße bereits einiges los (morgens um halb neun). Ich wusste ja im Prinzip, dass der Almabtrieb eine touristische Attraktion ist, aber das ganze Ausmaß der Angelegenheit war mir bis dahin nicht klar gewesen. Die ganze Straße war gesäumt von den Buden der, wie es aussah, fahrenden Händler. An der Isskogelbahn war ein großer Teil des Parkplatzes zum Haltebereich für die Kühe umfunktioniert worden.

Der (vermutliche) Weg zum Kastenwendekopf führt zunächst lange über die Almstraßen durchs Krumbachtal. Ich hatte aber keine Lust, dort ständig den Kuhherden und ihren -fladen ausweichen zu müssen. Also bin ich spontan weitergefahren nach Königsleiten, das ja schon im Salzburgischen liegt, und von dem ich hoffen konnte, mit dem Gerloser Almabtrieb nichts zu tun zu haben.

Dort bin ich dann übers Brucheck zum Müllachgeier aufgestiegen. Das ist eine ganz nette Tour, okay, aber sie führt immer hart an der Grenze des Skigebietes entlang. Der Vorteil dabei wiederum war allerdings, dass ich mich oben ganz einfach in die Seilbahn setzen konnte, um wieder runterzufahren. Zu allem Überflüss war es nämlich auch noch ordentlich windig und ich nicht ganz so ordentlich angezogen.

Einen Abstecher zum Falschriedel, den ich eigentlich noch ins Auge gefasst hatte, habe ich mir daher gespart. Nächstes Jahr vielleicht wieder.


Höhenbergnieder (Schwarzachscharte) – Im Reich der Schafe

29. September 2013

In der Scharte

Ich habe eine Regel, die lautet: „In den Bergen bist du nie so allein, wie du denkst“ – zumindest, solange man auf den offiziellen markierten Wanderwegen bleibt. Auch wenn man stundenlang weit und breit keinen Menschen sieht, am Ende kommt einem doch einer entgegen oder sitzt oben am Gipfel.

Das war am Höhenbergnieder anders, und das fand ich besonders merkwürdig, weil es nicht nur ein markierter Weg ist, der da hinaufführt. Dieser Weg wird sogar in den offiziellen Broschüren des Tourismusverbands (also der Zillertal Arena) erwähnt, was ja für viele bergigere Wege auch nicht selbstverständlich ist. Trotzdem war da oben außer mir kein Mensch. Einerseits ist das toll, andererseits auch ein bisschen gespenstisch. Vor allem, wenn ich allein unterwegs bin, finde ich es immer beruhigend zu wissen, dass zumindest noch irgendwelche anderen Menschen im Notfall in der Nähe wären.

Wobei, so ganz stimmt das auch nicht: Am Morgen beim Aufstieg bin ich durchaus Menschen begegnet – einer Handvoll Schäfer, die sich bemühten, ihre Schafe zu einer Herde zu machen und dann aus den Hochlagen hinab zu treiben. An Schafen herrscht im Schwarzachtal nämlich kein Mangel. Erst dachte ich, das wäre schon der Almabtrieb der Schafe, aber am Nachmittag habe ich sie dann nahe der Schwarzachalm uneingezäunt wiedergetroffen. Vielleicht waren sie im Laufe der Zeit nur zu weit hinauf „getrieben“.

Der Weg war eigentlich schön, aber anstrengend: Im unteren Teil, der lange im Schatten liegt, war es oft rutschig; am Ende geht es eine ganze Weile über große Felsblöcke, die teilweise überraschend kippeln. Ich würde behaupten, dass ich mich einigermaßen mit dem Gehen auf Blockwerk auskenne, und ich musste trotzdem das eine oder andere akrobatische Manöver durchführen.

Und dann stand ich am Ende des Tales (und zwar etwas weiter oben, als es auf der Karte aussieht) mit dem wunderschönen Blick in den Zillergrund und den Sundergrund und in die Zillertaler Alpen. Und auf die Höhenbergkaralm weit unter mir im Zillergrund, zu der aber von hier kein Weg hinabführt – und die überhaupt von der Außenwelt abgeschnitten scheint, keine Almstraße, keine Materialseilbahn… Das hat die gefühlte Abgeschiedenheit von der Welt noch zusätzlich verstärkt. Eine merkwürdige Stimmung, aber irgendwie sehr angenehm.

Im Gegensatz zur Darstellung in der Karte deuteten die Markierungen vor Ort darauf hin, dass der Weg noch zum Höhenbergkarkopf weitergegangen wäre; das habe ich mir dann aber gespart. Und stattdessen noch ein paar Minuten länger die Bergeinsamkeit genossen.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.