Bergwinter: Neuer Schnee (aber kein Neuschnee) am Baumgartnerköpfl

2. März 2014

Über der Regalm

Nach meinem ganzen Herumgejammer über den Mangel an Schnee in diesem Jahr wollte der Winter es mir offenbar noch einmal zeigen. Mit schneearm wirkenden Bildern der Webcam von Ellmau hat er mich zu den Südhängen des Baumgartnerköpfls gelockt. Wo sich dann doch mehr Schnee fand, als ich gedacht hätte.

Schon am Parkplatz am Tannbichl fand sich teilweise eine ganz ordentliche Packschnee-/Eisschicht auf dem Fahrweg. Als es dann aber ins etwas steilere Gelände ging, wurde der Schnee weniger. Das kennt man ja: Weil die Sonnenstrahlen da irgendwie, äh, anders auftreffen, haben sie im Steilen mehr Energie… ihr wisst schon. So weit, so gut.

Von meinem letzten spätwinterlichen Besuch vor fast genau drei Jahren erinnerte ich mich auch noch daran, dass ein unangenehmer schattiger Tobel durchquert werden muss. Darauf war ich mental vorbereitet (sozusagen), und das hat auch ganz gut geklappt. Diesmal standen keine Gämsen oberhalb herum und warfen mit Steinen.

Der Gipfelanstieg gestaltete sich dann aber doch mühsam. Es lag noch ordentlich viel (Pulver-)Schnee, und die einzige existierende Spur führte recht kühn abseits jeglicher Sommerpfade. Naja, ich bin ihr trotzdem weitgehend gefolgt, und hab es schließlich zum Gipfel geschafft.

Der Abstieg zur Regalm war zwar noch tief verschneit, sah sehr verlockend aus: nicht so steil wie mein Aufstiegsweg, und im Abstieg ist tiefer Schnee ja weniger problematisch. Dachte ich. Allerdings war die Schneebeschaffenheit eine, die mir noch nie begegnet ist: Bei jedem Schritt fuhr mein Fuß durch den Schnee, ohne ihn dabei zu komprimieren, bis ich auf den Boden aufsetzte. Das machte den Abstieg arg anstrengend, weil ich erstens manchmal bis zur Hüfte im Schnee steckte. Und zweitens musste ich bei jedem Schritt supervorsichtig sein, weil ich ja nicht wusste, was mich am unteren Ende erwartete – Wiese, ein Fels, eine Wurzel? Gut, das war auch mal eine neue Erfahrung…


Heuberg (Walchsee) – Ein etwas anderer Sonnenuntergang

3. November 2013

Inntal

Man kriegt in den Bergen nicht immer das, was man sich vorgestellt hat – das ist eine Binsenweisheit. Mal ist das Wetter anders als vorhergesagt, mal sieht der der Weg anders aus als erwartet… nichts ist wirklich sicher. Aber „anders“ muss auch nicht immer schlecht sein.

Als ich auf der Suche nach geeigneten Kandidaten für eine weitere Sonnenuntergangstour war, fiel mein Blick auf den Heuberg am Walchsee. Was ich dabei allerdings nicht beachtet hatte: Hier stehen zwar Berge im Südwesten* standen, wie es sich gehört, damit die Sonne spektakulär hinter ihnen versinken kann. Aber sie sind verdammt nah dran und im Vergleich zum Heuberg gleichzeitig ein ordentliches Stück höher.

Das bedeutet einerseits, dass die Sonne deutlich eher untergeht. Das war aber noch kein Problem für mich, denn ausnahmsweise war ich mal früh genug dran. Aber es bedeutet auch, dass die Sonne noch recht hoch am Himmel steht, wenn sie verdeckt wird, und daher noch nicht das tolle Abendrot entstanden ist, wenn sie sich verabschiedet.

Hm.

Aber es war trotzdem eine gute Entscheidung, nur halt „anders“. So fiel vor Sonnen-Verschwinden dieses faszinierende Licht auf den Wilden Kaiser nebenan. Und wenig später gab es in der Ferne sogar einen Hauch von Alpenglühen zu bewundern.

Ich bezweifle, dass sich das genau so wiederholen lässt; darum weiß ich nicht, ob ich diesen Heuberg unbedingt als Sonnenuntergangstour empfehlen sollte. Aber für mich war es an dem einen Tag absolut faszinierend.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.

 

* Übrigens: „Wo geht die Sonne unter?“ ist eine Frage, die nur wenige Websites beantworten. Mein Tipp: datum-und-uhrzeit.de


Stripsenkopf – Go West, Young Man

15. September 2013


Wilder Kaiser (Rückseite)

Die Besteigung des Stripsenkopfes von der Griesner Alm aus ist natürlich kein sonderliches Abenteuer – an schönen Wochenendtagen trifft man hier schon mal ein paar hundert Menschen, zumindest bis zum Stripsenjochhaus. Es ist eine schöne Wanderung mit beeindruckendem Blick auf die vergleichsweise seltener bestaunte „Rückseite“ des Wilden Kaisers.

Wir haben es trotzdem geschafft, uns zumindest für ein paar Minuten wie (ganz kleine) Abenteurer zu fühlen. Vom Gipfel gibt es einen Weg, der über den Grat hinab direkt nach Westen führt. Dieser Weg steht auf keiner Wanderkarte * – nicht mal auf supermodernen Kompass-Online-Karte – und ist vor Ort nur mit „Panoramaweg“ beschildert, nicht mit Ortsangabe. Sollten wir uns trauen, ihn trotzdem zu gehen, und hoffen, dass er uns zum Stripsenjochhaus zurück bringt?

Äh: Ja. Denn wohin sollte er sonst führen? Und natürlich endete er nach einer Viertelstunde des Rumkraxelns in einer Latschengasse ganz brav auf dem Weg vom Stripsenjochhaus zum Feldalmsattel. Aber immerhin.

Anderes Thema: Nahe der Griesener Alm hat ein saisonaler Bach übrigens einen Teil des Fahrwegs weggerissen, offenbar bei dem allgmeinen Hochwasser in diesem Frühling. Das ist kein Problem, man kann einfach über die Wiese ausweichen – aber es sieht durchaus spektakulär aus…

*) außer auf der handgezeichneten, die am Stripsenjochhaus steht (wie ich im Nachhinein festgestellt habe)


Schneebichl – Alles (fast) außer Schnee

1. Mai 2013

Lärchegg

Man muss nur lange genug auf der Karte suchen, dann findet man auch noch ein paar „neue“ Frühjahrstouren – also, ich jedenfalls. Touren, die für mich neu sind.

Zum Beispiel den Schneebichl: ein relativ unscheinbarer Hügel am Eingang des Kaiserbachtals, östlich des Feldbergs. Nicht so hoch, über Südhänge und/oder notfalls fast komplett per Fahrweg zu erreichen. Klingt doch super? Ist es auch. Und die Schneereste am Schneebichl waren auch unproblematisch – wenn auch an der Oberen Scheibenbichlalm durchaus noch recht hoch.

Vom Gipfel(chen) dürfte man auch noch fast denselben tollen Kaiser-Blick haben wie vom etwas anspruchsvolleren Feldberg nebenan. Ich sage „dürfte“, weil ich es aus eigener Anschauung nicht beurteilen kann: Als ich oben stand, stand ich vor allem im Nebel. Und ein bisschen im Wind. Zum Glück hatte ich das schon geahnt, und mich deshalb schon vorher an der Unteren Scheibenbichlalm zur Rast in die dort noch vorhandene Sonne gesetzt. Am Gipfel selbst habe ich es dann kaum drei Minuten ausgehalten.

Richtung Ranggenalm wurde es dann immerhin wieder etwas freundlicher. Und als ich später wieder am Auto war, waren frustrierenderweise die (Nebel-)Wolken praktisch komplett verschwunden. Manchmal würde es sich doch lohnen, erst später am Tag aufzubrechen…

Was ich nicht verstanden habe: Warum ich am Schneebichl komplett allein war – okay, vielleicht wegen des Nebels -, aber an der Griesner Alm standen massenhaft Autos. Die Schneerestlage schien mir weder für frühe Wanderungen zu Stripsenjoch noch für späte Skitouren ins Griesner Tor ideal zu sein. Was machten die da alle?


Baumgartenkopf – Viele Wege am Wilden Kaiser

18. August 2012

Regalm-Panorama

Der Wilde Kaiser ist ja nun bekannt dafür, wie die schroffen Felsgipfel abrupt aus den eher sanften, lieblichen Wiesen- und Latschenhängen weiter unten herausschießen. Das führt dazu, dass die meisten Gipfel nur auf sehr langen Wanderungen bzw. Klettertouren zu erreichen sind. Der Vorteil dagegen ist aber, dass man unterhalt der Felszone ein ziemlich weit verzweigtes Wegenetz hat, in dem man sich tummeln kann, wenn es mal nicht unbedingt der Gipfel sein muss.

Das haben wir uns zunutze gemacht und sich am letzten Wochenende folglich etwas unterhalb der Gipfel herumgelaufen: grob gesprochen, vom Tannbichl-Parkplatz zur Regalm, zur Ackerlhütte, zum Baumgartenkopf und zur Gaudeamushütte. Okay, an der Gaudeamushütte war natürlich die Hölle los; das kann man an einem sonnigen Sonntag ja auch gar nicht anders erwarten. Aber ansonsten war eigentlich erstaunlich wenig los – ein weiterer Vorteil eines weitläufigen Gebiets.

Alles in Allem: ein schöner, vergleichsweise gemütlicher Wandersonntag.


Hintere Goinger Halt – Ein langes Wochenende, Teil 1

9. Oktober 2011

Herbst am Wilden Kaiser

Zum Einstieg in das lange 3-Tage-Sonnen-Wochenende hatte ich die Hintere Goinger Halt ins Auge gefasst. Die stand schon lange auf meiner Liste, und ich war einigermaßen zuversichtlich, dass es mir am Samstag noch gelingen würde, auch wirklich um 5:30 Uhr aufzustehen und den zu erwartenden Massen ein bisschen voraus zu sein.

Es war dann eher 5:45 Uhr, und als ich an der Wochenbrunner Alm ankam, war da tatsächlich auch schon einiges los. Und obwohl es noch angenehm kühl war und ich folglich relativ schnell bis zum Ellmauer Tor kam, herrschte da auch schon reges Treiben. Die meisten blieben aber entweder dort sitzen – oder betätigten sich gleich als echte Kletterer. Der relativ kurze Rest des Weges bis zum Gipfel war jedenfalls wenig begangen.

Gipfel: sehr schön. Aber Klassiker, muss also auch.

Im Abstieg kamen mir dann aber doch jede Menge Leute entgegen, und ich habe mich doch gefragt, wie die alle auf den kleinen, relativ steilen Gipfel passen sollten… naja, nicht mein Problem, zum Glück.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Feldberg und Stripsenkopf – Wo der Kaiser massiv ist

2. Juli 2011

Wilder Kaiser (Nord)

Ich bin ja der Meinung, dass man sich im Sommer manchmal spontan einen Tag freinehmen sollte, um einfach so in die Berge zu gehen. (Also – wenn man in München wohnt jedenfalls; in Wanne-Eickel beispielsweise wäre das weniger sinnvoll.) Leider mache ich das selbst viel zu selten – aber letzten Mittwoch war dann doch mal wieder so ein Tag!

Weil diesmal das Wetter von Westen her schlechter werden sollte, habe ich mir eine relativ weit östlich liegende Tour ausgesucht. Das war a priori total sinnvoll; im Nachhinein habe ich allerdings den ganzen Tag kaum ein Wölkchen gesehen, obwohl ich bei den hohen Temperaturen durchaus ein bisschen Abkühlung hätte vertragen können. Jedenfalls – der Stripsenkopf sollte es sein, von dem hatte ich schon sooo viel gehört, war aber noch nie da.

Weil es natürlich zu einfach gewesen wäre, nur den „Normalaufstieg“ über das Stripsenjochhaus zu nehmen (das war dann mein Abstieg), habe ich aus dem Kaiserbachtal den Umweg über die Ranggeralmen und den Feldberg genommen. Und ich muss sagen: Ich kann es nur empfehlen – die Aussicht, vor allem auf die massiven Nordflanken des Wilden Kaisers gegenüber, ist echt enorm. (Aber auch der Blick in den Kaiserwinkl ist sehr hübsch.)

Allerdings sind es am Ende wegen des Auf und Ab, das man zwischendurch hat, doch über 1100 Höhenmeter, die überwinden werden sollen. Und das werde ich eher nicht an einem Tag wiederholen, an dem es um 9 Uhr schon 18°C hatte. Aber ansonsten: jederzeit wieder!

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Brentenjoch – Per silvestra ad astra

27. Mai 2011

Zahmer Kaiser – Süd

Und am Sonntag war das Wetter dann besser, als der Wetterbericht vorhergesagt hatte. Ich hasse es, wenn das passiert. Wenn man mit irgendwelchen lange aufgeschobenen, endlich zu erledigenden Sachen zu Hause sitzt, aber dann draußen doch die Sonne scheint.

Also bin ich spontan doch noch zu einer weiteren kurzen Tour aufgebrochen, und zwar, wie man das so macht (also, ich jedenfalls): Wenn’s schon spät am Tag ist, sucht man sich was mit Lift. Der Kaiserlift in Kufstein bot sich an, weil ich da noch nie war und die Gegend sowieso mal ein bisschen erkunden wollte.

Und wieder stand ich im Wald. Die meiste Zeit jedenfalls. Der Aufstieg über den (albern nach Mittelerde klingenden) Elfenhain zur Duxeralm verläuft – im Wald. Und, zumindest am Anfang, unfassbar flach. Ich glaube, ich habe noch nie so viele Serpentinen mit so wenig Höhenunterschied gesehen.

Von der Duxeralm zum Brentenjoch geht es danach auch – durch den Wald. Aber zumindest hat man oben einen schönen Blick ins Kaisertal und auf beide Kaisergebirge, und ins Inntal und so… und hey, ich war ja schließlich auch ein bisschen selbst schuld. Mehr als das, was ich am Ende bekommen hab, kann man von einem spät begonnenen Tag eigentlich nicht erwarten.


Ackerlhütte – Bring your own everything

15. Mai 2011

Wilder Kaiser und Stiegenbachfall

Das hätte ich ja fast vergessen: Letzte Woche war ich an der Ackerlhütte. Und noch mehr! (Sozusagen.)

Geparkt habe ich in Prama, wie schon bei der Tour zum Baumgartenköpfl – weil der auf der Karte eingezeichnete Parkplatz in Hüttling natürlich nicht existierte. Das habe ich diesmal aber schon geahnt, war also nicht so schlimm. Der Weg bis zur Ackerlhütte ist dann eigentlich sehr schön. Nach kurzer Zeit verlässt man den Fahrweg, und dann ging es immer durch den sonnig-lichten Wald auf einem Pfad bergan zur Regalm und recht schnell zur Hütte.

Das sollte aber noch nicht alles sein: Eigentlich hatte ich das Gamskögerl als Ziel auserkoren – einen dieser kleinen Bergrücken, die sozusagen senkrecht zum Kaiser-Hauptkamm vorspringen (wie auch das Baumgartenköpfl). Als ich aber dann 250 Höhenmeter weiter oben am Wilden-Kaiser-Steig stand und auf das Gamskögerl runter blickte, habe ich spontan diese viel schönere, aber namenlose Stelle zum Ziel erklärt. („Alte Ackerlhütte“ steht etwas lahm als Standort auf dem dortigen Wegweiser.)

Den Abstieg habe ich dann über die Grander- und Graspoint-Hochalmen gewählt, was auch ganz gut ging, bis ich mich kurz vor der Graspoint-Niederalm auf einen Weg habe locken lassen, der mich wieder steil nach oben bis kurz vor die Regalm führte (okay, ich übertreibe ein bisschen, aber so kam es mir vor).

Die Ackerlhütte ist übrigens eine Selbstversorgerhütte, ne? Wollte ich nur so erwähnen, damit es euch nicht so geht wie der Familie, die mir im Abstieg unterhalb der Graspointhochalm entgegen kam:

„Kommt denn hier bald eine bewirtschaftete Alm oder eine Hütte?“
Ich: „Ähm. Nein.“
Entsetztes Schweigen.
Ich: „Also, irgendwann kommt halt die Ackerlhütte, aber die ist ja auch nur für Selbstversorger.“
Was??? Die Ackerlhütte ist auch nicht bewirtschaftet???“

Leute gibt’s. Aber lustig waren sie.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Bergwinter: Baumgartnerkopf – Killergemsen greifen an

6. März 2011

Wegweiser am Baumgartnerkopf

Bei dem Wetter bzw. der Schneelage macht Skifahren echt keinen Spaß – also, mir jedenfalls nicht. Die Tourengeher, denen ich heute begegnet bin, sehen das vermutlich anders, aber zum Tourengehen bin ich leider nicht geeignet… jedenfalls hieß das, dass ich’s doch nochmal mit Winterwandern versuchen wollte.

Es war auch eigentlich ganz nett. Ich hatte mir einen Weg ausgesucht, der im Großen und Ganzen an einem Südhang hinauf führte – von Going zum Baumgartnerkopf (auch Baumgartenköpfl, in meiner Wanderkarte beispielsweise). Natürlich klappt das nie hundertprozentig, ein bisschen Ost- oder Westhang hat man immer dabei. Ab ca. 1400m war die Schneelage dann doch ordentlich, aber trotzdem brauchte ich keine Grödel, weil der Hang meist flach und/oder der Schnee tief genug war.

Nur die kleine Herde Gemsen hätte ich nicht gebraucht, die sich ausgerechnet, als ich mich in der Durchquerung eines schmalen, steilen Tobels mit Hartschneeeinlage befand, entschieden, oberhalb von mir ein bisschen Steinschlag auszulösen. Naja, ist ja gut gegangen.

Das winterliche Panorama vom „Gipfel“ – eher ein kleiner Vorsprung auf einer langen Schulter vorm Wilden Kaiser – war dann aber absolut großartig.