Müllachgeier – Auf der Flucht vor den Kühen

27. Oktober 2013

Wildgerlosblick

Ende September wollte ich von Gerlos zum Kastenwendekopf wandern – obwohl das Internet diese Wanderung nicht zu kennen scheint. Kurzfristig habe ich mich dann aber doch umentschlossen, und das kam so.

Schon auf der Fahrt hinauf aus dem Zillertal kamen mir die ersten Kuhherden entgegen. Es war nämlich – was ich vorher nicht wusste – der Tag des Almabtriebs auf der Trasse Gerlos – Hainzenberg – Zell am Ziller. Als ich an den Gerloser Seitentälern vorbeikam, sah ich zwar nicht noch mehr Kühe, aber jeweils eine Handvoll Leute, die offenkundig darauf warteten, dass die Kühe aus dem Tal herunterkamen. Und in Gerlos selbst war dann entlang der Hauptstraße bereits einiges los (morgens um halb neun). Ich wusste ja im Prinzip, dass der Almabtrieb eine touristische Attraktion ist, aber das ganze Ausmaß der Angelegenheit war mir bis dahin nicht klar gewesen. Die ganze Straße war gesäumt von den Buden der, wie es aussah, fahrenden Händler. An der Isskogelbahn war ein großer Teil des Parkplatzes zum Haltebereich für die Kühe umfunktioniert worden.

Der (vermutliche) Weg zum Kastenwendekopf führt zunächst lange über die Almstraßen durchs Krumbachtal. Ich hatte aber keine Lust, dort ständig den Kuhherden und ihren -fladen ausweichen zu müssen. Also bin ich spontan weitergefahren nach Königsleiten, das ja schon im Salzburgischen liegt, und von dem ich hoffen konnte, mit dem Gerloser Almabtrieb nichts zu tun zu haben.

Dort bin ich dann übers Brucheck zum Müllachgeier aufgestiegen. Das ist eine ganz nette Tour, okay, aber sie führt immer hart an der Grenze des Skigebietes entlang. Der Vorteil dabei wiederum war allerdings, dass ich mich oben ganz einfach in die Seilbahn setzen konnte, um wieder runterzufahren. Zu allem Überflüss war es nämlich auch noch ordentlich windig und ich nicht ganz so ordentlich angezogen.

Einen Abstecher zum Falschriedel, den ich eigentlich noch ins Auge gefasst hatte, habe ich mir daher gespart. Nächstes Jahr vielleicht wieder.

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Höhenbergnieder (Schwarzachscharte) – Im Reich der Schafe

29. September 2013

In der Scharte

Ich habe eine Regel, die lautet: „In den Bergen bist du nie so allein, wie du denkst“ – zumindest, solange man auf den offiziellen markierten Wanderwegen bleibt. Auch wenn man stundenlang weit und breit keinen Menschen sieht, am Ende kommt einem doch einer entgegen oder sitzt oben am Gipfel.

Das war am Höhenbergnieder anders, und das fand ich besonders merkwürdig, weil es nicht nur ein markierter Weg ist, der da hinaufführt. Dieser Weg wird sogar in den offiziellen Broschüren des Tourismusverbands (also der Zillertal Arena) erwähnt, was ja für viele bergigere Wege auch nicht selbstverständlich ist. Trotzdem war da oben außer mir kein Mensch. Einerseits ist das toll, andererseits auch ein bisschen gespenstisch. Vor allem, wenn ich allein unterwegs bin, finde ich es immer beruhigend zu wissen, dass zumindest noch irgendwelche anderen Menschen im Notfall in der Nähe wären.

Wobei, so ganz stimmt das auch nicht: Am Morgen beim Aufstieg bin ich durchaus Menschen begegnet – einer Handvoll Schäfer, die sich bemühten, ihre Schafe zu einer Herde zu machen und dann aus den Hochlagen hinab zu treiben. An Schafen herrscht im Schwarzachtal nämlich kein Mangel. Erst dachte ich, das wäre schon der Almabtrieb der Schafe, aber am Nachmittag habe ich sie dann nahe der Schwarzachalm uneingezäunt wiedergetroffen. Vielleicht waren sie im Laufe der Zeit nur zu weit hinauf „getrieben“.

Der Weg war eigentlich schön, aber anstrengend: Im unteren Teil, der lange im Schatten liegt, war es oft rutschig; am Ende geht es eine ganze Weile über große Felsblöcke, die teilweise überraschend kippeln. Ich würde behaupten, dass ich mich einigermaßen mit dem Gehen auf Blockwerk auskenne, und ich musste trotzdem das eine oder andere akrobatische Manöver durchführen.

Und dann stand ich am Ende des Tales (und zwar etwas weiter oben, als es auf der Karte aussieht) mit dem wunderschönen Blick in den Zillergrund und den Sundergrund und in die Zillertaler Alpen. Und auf die Höhenbergkaralm weit unter mir im Zillergrund, zu der aber von hier kein Weg hinabführt – und die überhaupt von der Außenwelt abgeschnitten scheint, keine Almstraße, keine Materialseilbahn… Das hat die gefühlte Abgeschiedenheit von der Welt noch zusätzlich verstärkt. Eine merkwürdige Stimmung, aber irgendwie sehr angenehm.

Im Gegensatz zur Darstellung in der Karte deuteten die Markierungen vor Ort darauf hin, dass der Weg noch zum Höhenbergkarkopf weitergegangen wäre; das habe ich mir dann aber gespart. Und stattdessen noch ein paar Minuten länger die Bergeinsamkeit genossen.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Kirchspitze – Das Langes-Wochenende-Finale

13. Oktober 2011

Im Schönachtal

So, den dritten Teil vom langen (vorletzten) Wochenende bin ich euch ja noch schuldig. Der Plan war eigentlich gewesen, mich am Sonntag etwas zu schonen, um dann am Montag nochmal etwas mehr aufdrehen zu können. Leider war das mit dem Schonen dann aber doch nicht so furchtbar weit her. Für den Abschluss habe ich mir darum dann eine zwar auch nicht kurze Tour ausgesucht, aber immerhin eine, die ich – weitgehend – schon kannte, damit es keine bösen Überraschungen gab.

Also: die Kirchspitze in der Gerloskette, ein großartiger Gipfel mit wunderbarem Blick in die Zillertaler Alpen (und in die Tuxer und Kitzbüheler, aber die sind weiter weg und geringfügig weniger beeindruckend). Der Aufstieg durchs Schönachtal und die offenbar sporadisch bewirtschaftete Stackerlalm ist besonders schön und relativ wenig begangen.

Wobei: seit der Fürstalm-Sessellift eingestellt und abgetragen worden ist, ist sowieso nicht mehr so viel los an der Kirchspitze. Der Nachteil ist, dass man halt den ganzen Weg jetzt auch wieder runter gehen muss. Der Weg über den Arbiskogel und durch den Wald nach Gerlos hinab ist aber eigentlich ganz schön – nur leider teilweise auch matschig/rutschig.

Aber insgesamt war das eine wunderschöne herbstliche Wanderung, die ich wirklich nur empfehlen kann.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Kreuzjoch

8. Oktober 2009

Gerlostalalm

Es ist echt erstaunlich, wie viele Bergkilometer ich diesen Herbst noch zusammen bekomme – und gestern war ich besonders emsig. Wenn auch zum Teil, weil ich beim Kartenlesen nicht so ganz richtig aufgepasst habe und die Tour mal wieder länger war, als ich mir das eigentlich vorgestellt hatte.

Jedenfalls: das Kreuzjoch. Kreuzjöcher gibt’s, zugegeben, wie Sand am Meer in den Bergen; das Kreuzjoch, das ich meine, ist das vielleicht sogar bekannteste: der höchste Gipfel der Kitzbüheler Alpen. Dafür sieht er allerdings absolut unscheinbar aus, und er hat definitiv den Nachteil, dass die einfachste Route 80% der Zeit durchs Skigebiet von Zell am Ziller führt.

Also musste eine Alternativroute her, und siehe da, es gibt tatsächlich einen relativ einsamen, weil etwas abgelegenen Aufstieg von Süden über die Hänge des Gerlostals. Perfekt. Nur leider, und da habe ich mich etwas verschätzt, erfordert das einen ziemlich langen Zustieg entweder aus dem Gerlostal hinauf oder aber quer rüber von der Bergstation der Gerloser Seilbahn. Letzteres habe ich dann auch gemacht (und später dank Google Earth gemerkt, dass ich den Zustieg auch einfacher hätte haben können, wenn die Wanderkarten aktuell wären!).

Trotz der Länge ist das jedenfalls ein sehr schöner Weg, an der malerischen Gerlostalalm vorbei, über die herbstlichen Bergwiesen im weiten Bogen auf den Südgrat des Kreuzjoches – und da leider auch öfter mal auf und ab, was aber immerhin dazu führt, dass man einiges an Gipfelzielen quasi en passant mitnimmt.

Zurück nimmt man dann sinnvollerweise den „Normalweg“ von Gerlos über den Ostgrat, der auch sehr schön ist. Leider war ich etwas darauf fixiert, die letzte Talfahrt der Seilbahn zu erwischen, weswegen ich diesen Abschnitt nicht so genossen habe, wie ich hätte können. Insgesamt war’s aber trotzdem ein überaus befriedigender Tag.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.