Höhenbergnieder (Schwarzachscharte) – Im Reich der Schafe

29. September 2013

In der Scharte

Ich habe eine Regel, die lautet: „In den Bergen bist du nie so allein, wie du denkst“ – zumindest, solange man auf den offiziellen markierten Wanderwegen bleibt. Auch wenn man stundenlang weit und breit keinen Menschen sieht, am Ende kommt einem doch einer entgegen oder sitzt oben am Gipfel.

Das war am Höhenbergnieder anders, und das fand ich besonders merkwürdig, weil es nicht nur ein markierter Weg ist, der da hinaufführt. Dieser Weg wird sogar in den offiziellen Broschüren des Tourismusverbands (also der Zillertal Arena) erwähnt, was ja für viele bergigere Wege auch nicht selbstverständlich ist. Trotzdem war da oben außer mir kein Mensch. Einerseits ist das toll, andererseits auch ein bisschen gespenstisch. Vor allem, wenn ich allein unterwegs bin, finde ich es immer beruhigend zu wissen, dass zumindest noch irgendwelche anderen Menschen im Notfall in der Nähe wären.

Wobei, so ganz stimmt das auch nicht: Am Morgen beim Aufstieg bin ich durchaus Menschen begegnet – einer Handvoll Schäfer, die sich bemühten, ihre Schafe zu einer Herde zu machen und dann aus den Hochlagen hinab zu treiben. An Schafen herrscht im Schwarzachtal nämlich kein Mangel. Erst dachte ich, das wäre schon der Almabtrieb der Schafe, aber am Nachmittag habe ich sie dann nahe der Schwarzachalm uneingezäunt wiedergetroffen. Vielleicht waren sie im Laufe der Zeit nur zu weit hinauf „getrieben“.

Der Weg war eigentlich schön, aber anstrengend: Im unteren Teil, der lange im Schatten liegt, war es oft rutschig; am Ende geht es eine ganze Weile über große Felsblöcke, die teilweise überraschend kippeln. Ich würde behaupten, dass ich mich einigermaßen mit dem Gehen auf Blockwerk auskenne, und ich musste trotzdem das eine oder andere akrobatische Manöver durchführen.

Und dann stand ich am Ende des Tales (und zwar etwas weiter oben, als es auf der Karte aussieht) mit dem wunderschönen Blick in den Zillergrund und den Sundergrund und in die Zillertaler Alpen. Und auf die Höhenbergkaralm weit unter mir im Zillergrund, zu der aber von hier kein Weg hinabführt – und die überhaupt von der Außenwelt abgeschnitten scheint, keine Almstraße, keine Materialseilbahn… Das hat die gefühlte Abgeschiedenheit von der Welt noch zusätzlich verstärkt. Eine merkwürdige Stimmung, aber irgendwie sehr angenehm.

Im Gegensatz zur Darstellung in der Karte deuteten die Markierungen vor Ort darauf hin, dass der Weg noch zum Höhenbergkarkopf weitergegangen wäre; das habe ich mir dann aber gespart. Und stattdessen noch ein paar Minuten länger die Bergeinsamkeit genossen.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.

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Kirchspitze – Das Langes-Wochenende-Finale

13. Oktober 2011

Im Schönachtal

So, den dritten Teil vom langen (vorletzten) Wochenende bin ich euch ja noch schuldig. Der Plan war eigentlich gewesen, mich am Sonntag etwas zu schonen, um dann am Montag nochmal etwas mehr aufdrehen zu können. Leider war das mit dem Schonen dann aber doch nicht so furchtbar weit her. Für den Abschluss habe ich mir darum dann eine zwar auch nicht kurze Tour ausgesucht, aber immerhin eine, die ich – weitgehend – schon kannte, damit es keine bösen Überraschungen gab.

Also: die Kirchspitze in der Gerloskette, ein großartiger Gipfel mit wunderbarem Blick in die Zillertaler Alpen (und in die Tuxer und Kitzbüheler, aber die sind weiter weg und geringfügig weniger beeindruckend). Der Aufstieg durchs Schönachtal und die offenbar sporadisch bewirtschaftete Stackerlalm ist besonders schön und relativ wenig begangen.

Wobei: seit der Fürstalm-Sessellift eingestellt und abgetragen worden ist, ist sowieso nicht mehr so viel los an der Kirchspitze. Der Nachteil ist, dass man halt den ganzen Weg jetzt auch wieder runter gehen muss. Der Weg über den Arbiskogel und durch den Wald nach Gerlos hinab ist aber eigentlich ganz schön – nur leider teilweise auch matschig/rutschig.

Aber insgesamt war das eine wunderschöne herbstliche Wanderung, die ich wirklich nur empfehlen kann.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Falschriedl

15. Oktober 2010

Durlaßboden

Meine These ist ja eigentlich, dass man in den Bergen – zumindest bei schönem Wetter – nie ganz so einsam unterwegs ist, wie man denkt. An den abstrusesten Orten sind mir schon Wanderer entgegengekommen, nachdem ich stundenlang allein war. Aber am letzten Sonntag musste ich diese These dann doch mal überdenken.

Gut, es wird einem auch nicht ganz leicht gemacht, diesen Weg zu wählen: Der Parkplatz ist nicht als solcher gekennzeichnet, und die Forststraße zum eigentlichen Parkplatz ist gesperrt. (Aber kurz, kann man also gut laufen.) Am eigentlichen Ausgangspunkt stehen keine Wegweiser, sondern erst 200 Meter weiter. Der Weg verläuft in der ersten halben Stunde nicht so, wie er das laut Karte tun soll. Und schließlich muss man sich gegen „Irrlicht“-Markierungen zur Wehr setzen, die einen überall hinlocken, aber nicht zum Falschriedl.

Wenn man aber erstmal aus dem Wald raus ist… ist das eine sehr schöne Tour. (Der Wald ist auch schön, aber verlaufen sollte man sich halt nicht.) Ab da geht es zur Falschalm und über den breiten Wiesenrücken zum Gipfel rauf mit schönstem Panorama in die Kitzbüheler Alpen und die Gerlosgruppe.

Beim Abstieg habe ich dann einen (!) weiteren Wanderer auf der Königsleitenspitze getroffen und zwei Bauern an der Fußalm, die sich gerade anschickten, die Skipiste zu düngen. Ansonsten war nix mit Mensch-zu-Mensch-Interaktion.

Ab nächstem Jahr wird dieser Weg vielleicht nicht weniger einsam sein, aber der Gipfel wohl schon: Mit der neuen Seilbahn von Königsleiten aus (die dieses Jahr im Bau ist) wird er dann nämlich noch ein wenig leichter zu erreichen sein als bisher.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.