Bergwinter: Feilalm und Feilkopf – Wo sind alle?

27. Januar 2015

Ich finde ja, die Gegend rund um den Achensee ist ideal fürs Schneeschuhgehen. Mir fallen spontan mindestens fünf Touren im Achental ein – trotzdem wird das Tal nicht sonderlich dahingehend vermarktet. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum letzten Sonntag bei schönem – wenn auch nicht wolkenlosen – Sonnenschein zwar der Karwendeltäler-Parkplatz in Pertisau bis zum Platzen gefüllt war – es aber außer uns wohl kein Mensch auf den Feilkopf geschafft hat. Ich kann das nicht mit Sicherheit sagen, weil nach unserem Abstieg von der Feilalm gegen 14 Uhr natürlich noch jemand schnell zum Gipfel gesprintet sein kann. Vor uns war jedenfalls niemand – im frischen Schnee waren keine Spuren zu sehen…

From the Mists...Aufgestiegen sind wir zuerst über den Sommerweg, der enttäuschend wenig vom Schneefall des vergangenen Tages abbekommen hatte, so dass unsere Schneeschuhe erstmal auf dem Rucksack blieben. Trotzdem haben wir uns nicht recht getraut, auch die obere, exponiertere Hälfte über den Sommerweg zu gehen, sondern sind über den Fahrweg hinüber zur Feilalm gewandert. Hinter der Alm waren die Schneeschuhe dann aber doch noch sehr nützlich, denn hier oben lag durchaus eine ordentliche Menge Schnee auf dem Fahrweg.

Am Gipfel waren wir dann, wie gesagt, allein – mit den stimmungsvoll wechselnden Wolken, die immer wieder andere Teile der umliegenden Gipfel verhüllten und wieder freigaben. Wir sind aus dem Fotografieren kaum herausgekommen…

Gerntal View

An der Feilalm gab’s dann später Suppe – und eine Erklärung, warum so wenig los wäre: „Die Bergführer sagen, der Aufstieg wär den Leuten zu anstrengend.“ Okay, mag sein. Aber, ehrlich gesagt, ich streng mich lieber ein bisschen an und stehe dann in der Sonne mit Blick in Karwendel und auf den Achensee und die Kitzbüheler, als den ganzen Tag unten im flachen, aber schattigen und engen Falzthurntal rumzukrabbeln…

Werbeanzeigen

Vorderunnutz – Plötzlich… Wildnis?

30. Oktober 2014

Steinberg
Auf der zunehmend schwierigen Suche nach Wegen, die ich noch nicht gegangen bin (und die zumutbar weit von München weg sind und meinen Fähigkeiten entsprechen), ist mir irgendwann aufgefallen, dass es einen Weg von Steinberg am Rofan zum Vorderunnutz gibt. Auf dem Vorderunnutz war ich zwar vor einigen Jahren schon mal, aber das war im Rahmen der zwar schönen, aber doch mühsamen Unnutz-Überschreitung. Der Weg von Steinberg war dagegen für mich bis auf den Abstieg vom Gipfel zum Kögljoch komplett neu.

An dem Tag war ich möglicherweise der einzige, der diesen Weg genommen hat. Jedenfalls ist mir unterwegs niemand begegnet, und während der Gipfelrast habe ich auch niemanden dort hinaufkommen sehen. Dabei ist der Weg eigentlich sehr interessant und irgendwie… wild. Anfangs geht es einfach nur durch Wald (sehr schön im Herbstlicht) über Fahr- und Karrenwege zu einer aufgebenen Alm. Aber hinter der Alm geht es in ein Latschenkiefer-Land, das so wellig ist, dass man fast nie mehr als die nächsten zehn Meter Weg sieht. Man fühlt sich wie abgeschnitten von der Welt. Dass der Weg, wie bei Latschengassen ja nun üblich, auch noch etwas ruppig ist, trägt noch dazu bei. Erst am Ende geht es dann wieder auf weite Bergwiesen, was dann aber auch angenehm ist.

Gut, als Rückweg hatte ich dann den langen Fahrweg zurück durchs Tal. Aber das ging erstaunlich schnell, und selbst da gab’s am Ende nochmal einen hübschen kleinen Steig zurück zum Kögljoch mit großartigem Rofanblick.
Herbst-Panorama am Rofan

 


 

 

Strecke: Vom Parkplatz am Gfaßkopflift geht es zunächst links auf einen Fahrweg, der sofort nach rechts abzweigt, den Lift quert und im Bogen durch den Wald hinaufführt bis zum Gfaßsattel. Hier zweigt ein weiterer Fahrweg nach rechts ab, der zumeist recht flach bis zu den Hütten der aufgegebenen Kotalm führt. (Bis hierher auch alternativ dazu auf einem Steig vom Waldhäusl aus.)

Wegspuren führen nun links an der Alm vorbei in ein kleines Joch. Dahinter beginnt nun ein Steig, bisweilen auch nur markierte Tritte im karstigen Fels, der sich leicht bis mäßig steigend durch die Latschenkiefern zieht. Schließlich verlässt man die Latschenzone und tritt auf eine Bergwiese, über die es weiter hinauf geht. Am Rücken trifft man auf den Weg, der von der Köglalm zum Unnutz hinaufführt und wandert auf ihm bis zum Gipfel.

Für den Abstieg bietet sich an, auf demselben Pfad hinabzusteigen bis kurz vor der Köglalm. Hier kann man beschildert nach links abkürzen und landet direkt am Kögljoch. Hier beginnt ein zunächst etwas ruppiger, später gut ausgebauter Fahrweg, der durchs Tal des Kögljochbachs zurückführt. In einer Kehre zweigt links ein Pfad ab, der über einen leichten Gegenanstieg auf einen weiteren Fahrweg führt, der schnell zurück zum Gfaßsattel führt. Ab hier geht es über den restlichen Aufstiegsweg zurück.


Montscheinspitze – Wo die Steinböcke arbeiten

13. August 2014

Auf der Montscheinspitze bei Pertisau war ich schon einmal, im Frühsommer 2006. Das ist so lange her, dass es damals dieses Blog noch nicht mal gab. (Ich werde langsam echt alt; erwähnte ich das schon?) Da fand ich, dass es durchaus mal an der Zeit für eine Wiederholungstour sein könnte.

Diesmal bin ich allerdings „anders herum“ gegangen als damals – erst zum Schleimssattel hoch, dann zum Gipfel, und über den Plumssattel wieder ins Tal. Ich hatte mir davon erhofft, dass ich von den kniffligeren Passagen, an die ich mich noch erinnerte, diesmal mehr im Anstieg und weniger im Abstieg haben würde. Hätte ich mal meine eigene Tourenbeschreibung gelesen, dann hätte ich diese Theorie wohl wieder verworfen. Aber im Nachhinein glaube ich, dass sich die Kletterstellen auf beiden Seiten des Gipfels im Großen und Ganzen die Waage halten.

Ibex, Zero ZoomKurz bevor es bergauf so richtig ans Eingemachte ging, hatte ich aber eine Begegnung mit jemandem, der überhaupt keine Probleme mit dem Gelände hatte: Ein Steinbock sprang in vielleicht drei Meter Entfernung an mir vorbei und blieb dann auf einem kleinen Hügel vor mir in Pose stehen. Wow! So nah bin ich überhaupt noch nie einem Steinbock gekommen! Und ich schaffte es sogar, ihn zu fotografieren. (Auch wenn er mir immer nur seinen Hintern entgegen gestreckt hat. Aber da waren noch andere Wanderer etwas hinter mir; wahrscheinlich hat er die Pose für die optimiert und nicht für mich.)

Eine halbe Stunde später am Gipfel… hing der Steinbock immer noch völlig gelassen in unserer Nähe rum. Es ist erstaunlich, wie schnell man sich daran gewöhnt. Wenn neue Wanderer zum Gipfel raufkamen, waren die ganz begeistert (so wie wir „Alteingesessenen“ eine halbe Stunde vorher), aber wir haben dann abgewiegelt: „Hmm? Ach so, ja, das ist Willi. Der hat jetzt gerade Mittagspause, aber wenn ihr darum bittet, posiert er später bestimmt für euch auf einem Felsen…“

Steinbock hin oder her, das Panorama vom Gipfel ist natürlich auch beeindruckend. Nicht so ganz viele ferne Gipfel, aber dafür ein sehr detaillierter Blick aufs östliche Karwendel.

Gipfelpanorama

Auf dem Weg zum Plumsjoch verdichteten sich dann die Wolken und ich bekam schon etwas Sorge vor Gewittern, aber dann… rissen sie wieder auf?! Und die Sonne schien, erbarmungslos. Besser als Gewitter, aber trotzdem wurde der Abstieg zur Gernalm doch etwas anstrengend in der Hitze – aber auch dadurch, dass man öfter mal vor Radlern davonspringen musste, die sich von der Ansage „Schiebestrecke“ nicht so recht beeindrucken ließen…

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.

 


Ochsenkopf – So viele Menschen, so wenige Menschen

9. Juli 2014

Eigentlich wollte ich zum Stanser Joch. Da war ich vor über zehn Jahren das erste und bisher letzte Mal, und ich fand, dass das lange genug her ist für einen Wiederholungsbesuch. Von Pertisau aus ist das ja mit der Seilbahn relativ leicht zu erreichen, und dann hat man so einen schönen Blick übers Inntal hinweg in die Zillertaler (und benachbarten) Alpen.

Hochnissl IDie Karwendelbahn ist Pertisau ist sehr klassisch in der Hinsicht, dass man deutlich weniger Menschen um sich hat, je weiter man sich von der Bergstation entfernt. Die meisten gehen bis zur Bärenbadalm. Einige gehen zum Weißenbachsattel, um weiter zum Bärenkopf zu wandern. Wenige gehen ins Weißenbachkar hinein, um zum Stanser Joch zu gehen. Und niemand biegt vor dem Stanser Joch nach rechts ab zum Ochsenkopf. Also, niemand außer mir. Dabei war das an dem Tag definitiv die bessere Wahl, denn wegen Dunst war der Blick in die Zillertaler und zum Kaiser nicht so richtig schön. Die näher liegenden imposanten Wände des östlichen Karwendels hingegen sieht man vom Ochsenkopf einfach viel besser.

Einige Beobachtungen dazu:

  • Es war unglaublich heiß, sogar morgens im nordseitigen Wald zwischen Bärenbadalm und Weißenbachsattel.
  • Es lag immer noch Schnee – zwar nur an einer Stelle direkt unterhalb des breiten Gipfelrückens auf knapp 2100 m, aber trotzdem. Bei der Hitze kam das überraschend.
  • Ich weiß, ich bin ein Weichei, aber ich hätte keinerlei Interesse daran, ein Fahrrad durchs Weißenbachkar zu tragen.

Und, klar, ich hätte auch noch zum Stanser Joch rüberhechten können (+15 min hin und zurück, denke ich). Habe ich aber nicht gemacht. Vielleicht nächstes Jahr nochmal; irgendeinen Grund braucht man ja…


Sonnjoch – Der Sommer ist gerettet

18. Juli 2013

Blick zum Lamsenjoch

… und dann war es an der Zeit, mir selbst zu beweisen, dass ich doch nicht so ein Waschlappen bin, sondern durchaus auch in dieser Sommersaison eine größere Tour bewältigen kann. Das Ziel: das Sonnjoch im Karwendel. Erwartete Höhenmeter: gut 1200m. Rauf und auch wieder runter. Wegbeschreibung laut mehreren Internetquellen: nicht so ganz ohne.

Nun ja. Im Nachhinein muss ich sagen: Es stimmt schon, „ohne“ ist der Aufstieg über den Bärenlahnersattel tatsächlich nicht – aber die ja doch sehr abschreckenden Warnungen, die man so findet, sind vielleicht doch ein bisschen überzogen. Es klingt in vielen Quellen so, als müsse man vom Sattel bis zum Gipfel (also 400 Hm lang) praktisch durchwegs klettern. So ist es aber wahrhaftig nicht: Die Stellen, an denen man die Hände zur Hilfe nehmen muss, machen zusammen vielleicht fünf Minuten aus. Am unangenehmsten war für mich eine Stelle ab ca. 2150m, an der der Weg ca. 80 Hm lang über die schlimmste Art von Geröll führt – die Art, wo man bei jedem Schritt vorher nicht sagen kann, ob man vorankommen oder doch eher zurückrutschen wird. Vor allem wegen dieser Stelle war ich auch ganz froh, auf dieser Seite rauf und nicht runter zu gehen.

Allerdings sind weite Teile des Weges tatsächlich stark ausgesetzt, inbesondere ab dem Sattel – das will ich nicht bestreiten. Wer damit Probleme hat, sollte also wirklich lieber über die Westseite auf- und absteigen.

Tja, was soll ich zum Gipfel sagen? Das Panorama ist absolut umwerfend. Wegen des Dunstes reichte der Blick leider nicht so ganz bis zum Hauptkamm, aber schon der Nahblick auf die schroffen Karwendelgipfel in der Umgebung – und den Rofan hinterm Achensee – reicht völlig aus, um ganze Stunden der Gipfelrast zu füllen. Wenn man doch nur ein bisschen mehr Zeit hätte…

Der Abstieg über den Gramai-Hochleger ist nun im Vergleich zum Aufstieg eher eintönig, aber zumindest kommt man recht gut voran. Und es ist definitiv ein Vorteil, dass man am Hochleger nochmal eine Pause einlegen und nötigenfalls den Wasservorrat für den Rest des Wegs auffüllen lassen kann.

So müssen Bergtage sein.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Bergwinter: ’s Küppal

26. Februar 2013

Die Alm im Winter 4.2

So steht’s auf der Landkarte. Warum dieser Berg als einziger auf der Karte einen Artikel bekommen hat, und warum dieser Artikel dann auch noch abgekürzt wird, erschließt sich mir nicht. Aber ich übernehme ihn einfach mal unkritisch, denn vielleicht hat sich ja doch irgendwer was dabei gedacht.

Auch diese Schneeschuhtour stammt wieder aus einem Buch – was lahm ist. Aber sie entpuppte sich als wirklich sehr schön und – zumindest an diesem wetterdurchwachsenen Sonntag – als erstaunlich einsam. Am Gipfel waren nur noch zwei Skitourengeher, und zwei weitere standen weiter unten ein bisschen planlos in der Gegend herum und wussten wohl nicht so recht, wo der Weg war. (Tipp: am Wegweiser oberhalb der Alm rechts in Richtung Steinernes Tor, und nicht hinauf zum Kögljoch.)

Wie gesagt, das Wetter war erstmal sehr winterlich-verschneit, aber im Abstieg (grr) lockerte es dann doch mal kurz auf und ermöglichte mir so einige fast schon schmerzhaft idyllische Fotos von der Köglalm zu machen. Immerhin. Der Gipfel wäre wahrscheinlich lohnender gewesen, wenn man ein bisschen mehr Sicht zum Rofan gehabt hätte. Aber immerhin kommt man im Winter überhaupt da rauf – im Sommer gibt es keinen Weg, und das Gelände sieht auch nicht aus, als wollte man da unbedingt weglos hochsteigen…


Bergwinter: Gröbner Hals

8. Februar 2013

Bächental, Karwendel

Upps, fast vergessen: Schon vor zwei Wochen war ich am Gröbner Hals. Für alle, die den nicht kennen: Das ist ein breites Joch am Ende des Unterautals westlich von Achenkirch.

Ich sollte vorausschicken, dass ich inzwischen zwar Schneeschuhe besitze, um auch im Winter mehr in die Berge gehen zu können. Aber die Tourenplanung fällt mir so viel schwerer als im Sommer: Was ist mit der Lawinengefahr? Welche Wege sind geräumt, wo brauche ich die Schneeschuhe? Also gehe ich im Winter nach Buch (wenn überhaupt), was mir als selbsterklärten Outdoor-Freak irgendwie peinlich ist. Aber hey, besser als gar nicht rauszugehen.

Das Buch schlug also den Gröbner Hals als leichte Schneeschuhtour vor, und es lag nicht so falsch. Der größte Teil der Tour führt über einen Fahrweg durch den Wald. Der Weg war auch schon ordentlich plattgetreten, aber ab ca. der Hälfte waren die Schneeschuhe dann doch nützlich, weil man sonst auch in den komprimierten Schnee noch einsackte. Ab der Gröbner Alm dagegen geht es dann über etwas steilere Almflächen bis zum Joch. Und ich muss sagen, für eine „leichte“ Tour hat mich das ganz schön geschlaucht – so sehr, dass ich auf den kleinen Hügel neben dem Joch dann gar nicht mehr geklettert bin. Aber der Blick vom Joch ins Bächental war definitiv die letzte Anstrengung wert.

Nicht recht verstanden habe ich allerdings die vielen Skitourengeher, die auch da waren: Die hatten vielleicht für fünf Minuten eine schöne Abfahrt über die Almhänge, aber danach nur einen endlosen Ziehweg zurück nach Achenkirch. Gibt es da nicht lohnendere Ziele?