Mein Bergjahr 2019: Teil 3 (Sommer/Herbst)

16. Februar 2020

Was bisher geschah.

Blick von Rietzer Grieskogel

Blick von Rietzer Grieskogel

Der September begann mit einem Tag, an dem das Wetter im Tagesverlauf massiv schlechter werden sollte – was dazu führte, dass ich so früh morgens an der Blaubergalm war, dass noch nicht mal die Blaubergalm-Betreiber da waren. Gut, dann habe ich statt Knödelsuppe halt noch den Schildenstein mitgenommen. Danach gab es einen 3-Tages-Trip ins Ötztal. Auf den Hinweg ging es ins Kühtai, wo ich zum Rietzer Grieskogel aufgestiegen bin. Fast hätte ich versucht, eine Rundtour über nur mäßig gut dokumentierte Wege daraus zu machen, aber es war leider schon ein bisschen spät am Tag. Tag 2 führte mich zum höchsten Punkt des Jahres 2019: der Hochstubaihütte auf der Wildkarspitze (3174m) – von der Windachalm, wohin ein rumpeliges Bustaxi fährt, sind das aber „nur“ 1200 Höhenmeter. Den Aufstieg über den Seekarsee fand ich wunderschön; der vorgeblich leichtere Abstieg durchs Laubkar ist zwar landschaftlich auch toll, führt aber zunächst mal elend lang über große Blöcke – nicht mein Lieblingsterrain. Da das Wetter sich an Tag 3 deutlich verschlechterte, habe ich mich dann auf eine morgendliche Spritztour von Niederthai zum Narrenkogel beschränkt. Hübsch, aber bei gutem Wetter wäre es definitiv noch zum Poschachkogel weitergegangen… Zurück in heimischeren Gefilden ging es eine Woche später spontan an einem schönen Nachmittag endlich mal über den Ebbser Steig zur Vorderkaiserfeldenhütte – dieser Weg stand schon lange auf meiner Liste. Und weil noch ein bisschen Zeit war, bin ich dann auch noch zur Naunspitze „gesprintet“, obwohl ich inzwischen schon ein Stück Belohnungskuchen intus hatte. Ebenfalls lange überfällig: der aufgelassene Weg über den Ostgrat zur Brecherspitze, den ich nach den Beschreibungen im Internet vorab als „Exploration“ eingestuft hatte, der sich für mich aber als gut machbar erwies. Wie so oft, wenn sich der Sommer dem Ende zu neigt, trieb es mich aber vor „Toresschluss“ auch noch zweimal weiter hinauf ins Gebirge: Vom Speicher Zillergründl ging es den langen, aber wunderschönen Weg zur Zillerplattenscharte. Der dazugehörige Gipfel reizte mich zwar auch, aber die Vernunft hat gesiegt. Ich bin zwar fit, aber nicht so fit. Und ein für mich völlig neues Hochtal habe ich auch noch erkundet, nämlich das Arztal – auch wenn ich den dazugehörigen Gipfel, das Rosenjoch, bereits früher aus zwei anderen Richtungen erreicht hatte. Das obere Arztal ist ein weiteres dieser wunderbaren, völlig abgeschieden wirkenden Alpenrosen- und Bergwiesengebiete, die man in den Tuxer Alpen so oft findet.

Von der Krinnenspitze zum Litnisschrofen

Von der Krinnenspitze zum Litnisschrofen

Der Oktober stelle sich als Monat der Gegensätze heraus. Er begann mit einem weiteren Eintrag in der Kategorie „Ob ich wohl bei allen Zillertaler Sommerbahnen zur Bergstation wandern kann?“: einer Wanderung von Schlitters zum Spieljoch. Leider war ich erstens relativ spät aufgebrochen und zweitens existierten (wie so oft) vor allem in Talnähe nicht alle Wege, die auf der Karte verzeichnet waren, so dass das Unternehmen am Ende ein bisschen ein Wettlauf gegen die Zeit der letzten Talfahrt wurde. Ebenfalls in diesem Monat: der Herbstklassiker von Alpbach zur Gratlspitz, diesmal leider bei trübem, leicht regnerischem Wetter; und nur unwesentlich weniger trüb von Söll über den krass steilen Pölvensteig zum Kleinen Pölven. Ein perfektes Herbstsonnenwochenende gab es aber auch: am Samstag am Scheffauer (ganz klassisch vom Hintersteiner See), und am Sonntag am Weg übers Satteljoch zum Plumsjoch, wobei wir nach kurzer Diskussion in einer ungewöhnlich großen Gruppe großteils auch noch einen Abstecher zum Kompar gemacht haben. Und am Ende des Monats ging es dann ins Tannheimer Tal, wo meine Eltern ein großes Jubiläum mit einem kleinen Bergurlaub feierten. Die Touren wurden dabei naturgemäß ein bisschen überschaubarer, aber deshalb nicht weniger schön: Vom Füssener Jöchl ging es gleich am ersten Tag übers Karrejöchl zur Großen Schlicke, am zweiten Tag vom Neunerköpfle zur Sulzspitze – eine kleine Wanderung, aber was für eine Aussicht! So viele Gipfel auf so kleinem Raum… Nach einem Regentag am Vilsalpsee wurde das Wetter dann noch einmal großartig herbstlich-sonnig und es ging von der Krinnenalpe zur Krinnenspitze – und für mich mit persönlichem Geschwindigkeitsrekord, damit niemand zu lange warten musste, auch noch zum Litnisschrofen. Die Woche endete mit einer wunderschönen, sanften Wanderung über den Pirschling zum Schönkahler.

Sonnenuntergang am Setzberg

Sonnenuntergang am Setzberg

Das Wetter im November zeigte sich insgesamt deutlich weniger freundlich als im Oktober. Die lange avisierte Überschreitung von Heuberg und Plessenberg im Inntal gelang mir beispielsweise endlich, aber halt an einem Tag (Allerheiligen), der nur etwa zwei Stunden Sonnenschein in der Mitte hatte – nach Hangnebel und vor Schleierwolken. Eine Wanderung zum Lochner Horn von Walchsee wurde von starkem Wind geplagt; sonst hätte ich endlich mal die komplette Runde Lochner Horn-Wandberg-Brennkopf gemacht. Bei einer schnellen Tour zum Zwiesel von Bad Tölz musste ich mich mit unberechenbar umherziehenden Hangnebel wolken herumschlagen, was dazu führte, das ich beim Abstieg nach zehn Minuten nochmal umgekehrt bin, weil am Gipfel plötzlich kein Nebel mehr war. Schleierwolken dominierten auch gegen Ende des Monats am Wildbarren, wo ich mir aber eine erstaunlich abwechslungsreiche Rundtour zusammengestellt hatte, so dass mir das wenig ausmachte – auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin, ob der ruppige Abstieg über den Westgrat, trotz durchgehender Markierungen, wirklich offiziell als Weg gedacht war. Bei einer mehr zur Konditionserhaltung gedachten Wanderung hinauf zur Kampenwandbahn lag mehr Schnee als gedacht, der auf den Fahrwegen um die Almen herum vereist war, so dass ich ohne Grödel ganz schön rumeiern musste. Und auch bei einer Sonnenuntergangstour zum Setzberg war das Wetter zwar großartig, der Weg aber problematisch: Er war so matschig, dass man schon im Aufstieg teilweise bergab rutschte. Im Abstieg ging es dann nicht anders, als weglos durch die steilen Wiesen zu gehen.

Unterwegs zum Fockenstein

Unterwegs zum Fockenstein

Im Dezember gab es nur noch zwei Touren, bevor das Jahr vorbei war. Von Achenwald zum Pitzkopf ging es echt lange durch den Wald, dann aber in eine erstaunlich schöne Schneelandschaft. Und am letzten Tag des Jahres war ich noch schnell auf dem Fockenstein – und bin jetzt bestimmt zum zehnten Mal an der Aueralm vorbei gegangen, ohne einzukehren. Irgendwann muss ich das auch noch schaffen…


Mein Bergjahr 2019: Teil 2 (Frühjahr/Sommer)

26. Januar 2020

Was bisher geschah.

Wendelstein vom Seeberg im Frühling

Wendelstein vom Seeberg im Frühling

Der Mai war geprägt von typischen Frühjahrstouren. Aber obwohl ich wegen der vielen umgestürzten Bäume im April sehr skeptisch war – oder vielleicht auch deshalb, da es sich auf meine Tourenauswahl auswirkte -, gab es wochenlang kaum Probleme. Der Schafkopf von Farchant, eine Tour, die praktisch zur Gänze durch den Wald führt, war völlig unproblematisch. Von Sachrang aus war zwar ein Weg in Richtung Spitzstein gesperrt, aber das war ohnehin nicht der, den ich nehmen wollte. Auf dem Weg vom Sylvensteinsee zur Hochalm lagen zwar ein paar Bäume im Weg, aber sie waren leicht zu übersteigen. Und von Garmisch zum Kreuzeck und zu der (anderen) Hochalm ging es auch ohne Schwierigkeiten; der Weiterweg zum Osterfelderkopf war allerdinsg wegen Lawinengefahr gesperrt… am 30. Mai. Zweimal musste ich aber doch umplanen: Der Abstieg vom Seebergkopf am Wackbach entlang nach Bayrischzell war behördlich gesperrt. Und einmal war ich von Bad Wiessee zum Fockenstein gewandert und wollte über den Geierstein weiter nach Lenggries. In der Ostflanke des Geiersteins lagen aber so viele Bäume herum, dass kein Durchkommen war – ich musste umkehren und über den ausladenden Fahrweg durchs Hirschbachtal weiter nach Lenggries.

Sonnenuntergang vom Seekarkreuz

Sonnenuntergang vom Seekarkreuz

Anfang Juni hatte ich mir grob den Kramer über die Stepbergalm vorgenommen, bin dann aber wegen der Restschneelage „nur“ zum Hirschbichel gegangen – eine hervorragende Entscheidung, denn wie sich herausstellte, ist der Hirschbichel ein sehr schöner, ziemlich einsamer, völlig unterschätzter Gipfel. Und so wahnsinnig viele für mich neue Gipfel finde ich in den bayerischen Alpen eh nicht mehr… Am Tag drauf ging es dann auf einen mir bekannten Gipfel, aber auf zumindest teilweise unbekanntem, urigem Weg: über die Kochleralm zum Rabenkopf. Mehr Baumklettereien waren dann noch einmal am Weg zum Feichteck notwendig. Dann ein erstes Sommer-Highlight: An einem Freitagabend wollte ich nach der Arbeit noch schnell irgendwo hin… und bin spontan von Fleck zum Seekarkreuz gegangen. Aber was musste ich mich beeilen, um noch etwas vom Sonnenuntergang am Gipfel zu haben! Eine meiner besten Leistungen des Sommers. Zwei Tage später gab es dann eine kurze Tour zum Vorderskopf, wo mich die völlige Abwesenheit von Wegweisern etwas verunsicherte – aber der Weg war hervorragend zu gehen. Als nächstes ging es, ohne besondere Vorkommnisse, vom Ursprungpass über die Ascherjochalm zum Trainsjoch. Kann man bei Sonnenschein die Kampenwand besteigen, ohne Menschenmassen zu begegnen? Nein, aber man kann den Kontakt sehr gut minimieren, indem man von Aigen hochgeht und hinter der Steinlingalm noch den Schlenker über die Südflanke macht. Gesagt, getan. Danach das nächste supertouristische Ziel, diesmal aber auf dem normalsten Weg: der Wendelstein von Osterhofen über Hochkreut. Schon dabei war das Wetter eher mäßig, aber am nächsten Tag hat mich der Wetterbericht vollends im Stich gelassen: Bei Wolken losgegangen, die sich eigentlich auflösen sollten, stand ich dann im Nebel und Regen am Steinernen Tor über dem Achensee, weswegen ich mir den Weiterweg zur Hochiss gespart habe. Zum Ausgleich ging es unter der Woche bei strahlendem Sonnenschein durchs Notkar zur Notkarspitze – eine wunderschöne Tour, bei der ich an diesem extrem heißen Tag allerdings ein bisschen zu wenig Wasser dabei hatte. Der lange Abstieg war daher keine ganz so große Freude mehr. Zum Monatsende gab es ein „langes Wochenende“: freitags nachmittags aus dem Jenbachtal zur Rampoldplatte – eine Tour über einen zugewachsenen Fahrweg, bei der ich hauptsächlich Sorgen hatte, mir eine Zecke einzufangen. Samstags wollte ich von Benediktbeuern zur Benediktenwand, aber weil der Weg, der auf dem Kompass-Karte eingezeichnet ist (455A), so einfach nicht existiert, habe ich es nach einigem Suchen nur bis zur Tutzinger Hütte geschafft – war am Ende nicht die längste Tour des Sommers, kam mir aber so vor. Am Sonntag wollte ich dann keine Experimente eingehen und bin durchs Schinderkar zum Schinder aufgestiegen – da wusste ich wenigstens, dass der Weg existiert.

Auf dem Weg zum Großen Gamsstein

Auf dem Weg zum Großen Gamsstein

Nach dem doch recht intensiven Juni war der Juli dann erstaunlich ruhig: nur acht Touren – und davon waren drei nur kleinere Exkursionen am Freitag-Nachmmitag, die mir mein Arbeitgeber dieses Jahr nahegelegt hatte, indem er ihn zur arbeitsfreien Zone erklärt hatte. Einen Freitag ging es von Unterammergau zum Teufelstättkopf, und zwar auf dem für mich neuen Weg über die Kühalpe – ein wunderbarer Weg und Gipfel im Abendlicht. Die anderen beiden Freitage waren eher die Klassiker dran: zum Roßstein und zur Tegernseer Hütte; und einmal zum Geierstein, der inzwischen wieder von umgestürzten Bäumen befreit war, aber auf dem kurzen Weg von Lenggries. Und dann waren da noch die Ganztagestouren: Auf der Suche nach neuen Wegen ging es einmal von Altjoch aus in Richtung Herzogstand – eine kleine Odyssee aus sich kreuzenden Fahrwegen ohne Wegweiser -, wobei die Tour aus logistischen Gründen (Busfahrplan und aufziehende Regenwolken) schont am Martinskopf endete. Ein andermal bin ich von Brixen im Thale aus das Brixenbachtal entlanggelaufen, um am Ende zum Gampenkogel aufzusteigen. Und auch zum Gilfert habe ich noch Wegstücke gefunden, auf denen ich noch nicht gelaufen bin: von der Schellenbergalm zum Loas und über die Gamssteine, überwiegend durch diese unfassbaren Alpenrosenfelder, die für die Gegend typisch sind. Am Largoz war ich auch noch, diesmal „von hinten“ über die Wattenspitze – quasi weglos, aber zum Glück unproblematisch. Und einen ganz neuen Berg gab es für mich auf noch: die Kreuzspitze in den Ammergauern – ein Berg, der eigentlich schon lange auf meiner Liste stand, aber zu dem ich trotzdem auch diesmal nur versehentlich kam, weil ich einen Ausweichberg brauchte, als meine eigentlich geplante Tour ausfiel, weil ich die Busfahrplan-App nicht vernünftig gelesen hatte.

Panoramablick am Brandberger Kolm

Panoramablick am Brandberger Kolm

Diese Tour habe ich aber gleich Anfang August nachgeholt: eine Überschreitung der Kohlbergspitze vom Heiterwanger See (dorthin mit besagtem Bus) vom Pitzental nach Bichlbach. Und was soll ich sagen, es war definitiv ein Highlight des Jahres: der Weg durch dieses einsame Hochtal, dann die doch sehr ruppige Gipfelbesteigung, der Blick auf den Plansee und dann später die Lechtaler… großartig. Weiter ging es wieder mit einem „langen“ Wochenende: Der Freitag war der einzige in diesem Sommer, an dem ich Kollegen motivieren konnte, am freien Nachmittag doch mal mit auf den Berg zu kommen – und zwar zum Staffel in der Jachenau. Allerdings hatten wir uns dafür den heißesten Freitagnachmittag überhaupt ausgesucht… Am Samstag hingegen gab es jede Menge Nebel und ein wenig Sprühregen, was der Wetterbericht allerdings nicht vorhergesehen hatte – weswegen ich nach dem Aufstieg von Nußdorf zum Heuberg etwas ernüchtert mitten in den Wolken stand und wieder nicht zum Kitzstein oder zur Wasserwand gekommen bin. Am Sonntag dagegen schien wieder die Sonne aus strahlend blauem Himmel, und für mich ging es zum Guffert, aber im großen Bogen vom Waldfrieden aus – eine total einsame Tour… bis man knapp unterm Gipfel auf den Südanstieg trifft. An Mariä Himmelfahrt ging es von Urschlau (ein Name, der meinen Mitwanderer die halbe Strecke lang hat kichern lassen) zum Gurnwandkopf. Als nächstes war das Grasköpfel im Rißtal an der Reihe – ein Berg, auf dem ich tatsächlich noch nie gewesen war. Wie hatte ich den bisher übersehen können? Er entpuppte sich als netter, typischer Vorkarwendel-Gipfel. Am Tag darauf hatte ich hingegen etwas größeres vor: Zwei Kollegen waren sehr unterschiedlicher Meinung darüber, wie schwierig der Aufstieg über den Söllerpass zur Meilerhütte ist. Also musste ich das begutachten und ein Urteil fällen. Es lautete: Ja, ist schon anspruchsvoll, bergab hätte ich keine Lust darauf. Aber der Abstieg durchs Bergleintal hat mich eigentlich mehr fertig gemacht – er schien mir endlos. Die Woche darauf bin ich samstags erstmal zu spät aufgestanden, wollte dann aber von meinem Plan nicht abrücken und bin so weit gefahren… bis ich aus Zeitgründen doch von meinem Plan abrücken musste. So bin ich nur noch zum unspektakulären Thaurer Roßkopf gekommen, immerhin ein mir bisher unbekannter Berg, aber halt auch in Begleitung von halb Innsbruck. Zum Ausgleich wollte ich am Sonntag wenig fahren, aber weit gehen: von Pessenbach (diesmal wirklich) zur Benediktenwand und rüber nach Lenggries. Leider war das Wetter… unstet. Nach sonnigem Aufstieg regnete es am Gipfel leider sehr ordentlich und machte den speckig-felsigen Abstieg in Richtung Lenggries unangenehm rutschig. Beim Gegenanstieg zum Latschenkopf war es dann wieder sonnig, brütend heiß und schwül. Und später auf dem Weg von der Seilbahntalstation zum Bahnhof Lenggries kam ein Gewitter immer näher… Perfekt ruhiges Begwetter hingegen hatte ich am letzten Augusttag – und das habe ich ausgenutzt für die konditionell anspruchsvollste Tour meines Jahres: von Brandberg zum Brandberger Kolm, 1600 Höhenmeter rauf und wieder runter. Aber die Tour ist so abwechslungsreich – talnahe Bergwiesen, Wald, Hochalmkessel, Alpenrosen/Latschenkiefern, felsiger Grat, Gipfelanstieg -, dass man die Höhenmeter gar nicht so richtig spürt. Und die Aussicht! Es war wunderbar.

Nächstes Mal: September-Dezember


Mein Bergjahr 2019: Teil 1 (Winter/Frühjahr)

5. Januar 2020

2019 war nicht ganz so ein verrücktes Bergjahr wie 2018, aber es kam schon relativ nah dran. Deswegen gibt es auch dieses Jahr wieder ein kurzes „Logbuch“.

Kühzaglalm

Der Januar begann gleich an Neujahr mit einem kurzen Besuch am Pendling — leider weitgehend im Nebel, dafür aber recht stimmungsvoll. An Schnee herrschte ja kein Mangel in diesem Winter; deswegen waren sogar auf dem Weg zum ziemlich niedrigen Heiglkopf Schneeschuhe notwendig, und auch die Wanderung durchs Kühzagl zum Bodenschneidhaus am Ende des Monats wäre ohne Schneeschuhe wohl sehr mühsam geworden.

Blick vom Seekarkreuz

Anfang Februar waren die Schneeschuhe noch einmal sehr nützlich: beim Aufstieg vom Spitzingsee zum Taubensteinhaus. Danach reichten Grödel völlig aus: über die Fahrwege zu den klassischen Winterhütten sowieso — in diesem Fall zur (allerdings nicht geöffneten) Vorderkaiserfeldenhütte und auch zur Buchsteinhütte. Aber auch am Seekarkreuz waren sowohl Grasleitensteig wie auch Sulzersteig inzwischen verdichtet bis eisig. Am Sulzersteig bekam ich meinen ersten Vorgeschmack auf die Waldschäden, die der Winter angerichtet hatte. Eine Woche später dann musste ich auf dem Weg zum Brentenjoch fast umkehren, weil umgestürzte Bäume den Weg vom Elfenhain in Richtung Duxeralm nahezu unpassierbar machten.

An der Kranzbergalm

Der März begann mit einer Wanderung zur Wallbergbahn hinauf — wenig spannend, aber schnell erreichbar und gut geeignet, um die Kondition zu erhalten. Ihr folgte ein Besuch auf der Priener Hütte. Hier bin ich beim Aufstieg teilweise dem abkürzenden Pfad gefolgt — der mich dann mit einer noch ordentlichen Schneelage überrascht hat! Aber so langsam wurde es doch Frühling: Beim Aufstieg von Erl zum Kranzhorn wäre ich in Talnähe fast in die Gülleausbringung auf den Wiesen geraten; erst in Gipfelnähe lag dann doch noch einiges an nassem Schnee. Der Monat endete mit einer Überschreitung der Baumgartenschneid von Tegernsee nach Schliersee — was für eine Tour der Gegensätze, zwischen den tiefen, trügerischen Altschneefeldern im Wald unterm Gipfel und dem schon fast frühsommerlichen Treiben im Schlierseer Kurpark…

Kaiserblick am Brennkopf

Die Hauptzeit der umgestürzten Bäume lag definitiv im April. Der Weg von Walchsee zum Brennkopf — normalerweise eine schöne, einfache, südseitige Frühjahrtour — erforderte das Überklettern zahlreicher großer umgefallener Stämme. An einer Stelle waren so viele Bäume ineinander gestürzt, dass man sie nur umgehen konnte, indem man auf allen Vieren den steilen Hang bis zu ihren Wurzeln hinaufkrabbelte und auf der anderen Seite wieder hinunter. Am nächsten Tag war ich am Rechelkopf, wo oberhalb der Schwaigeralm auch Dutzende von Bäumen die Fahrstraße versperrten — hier zum Glück im flachen Gelände, so dass man die Blockade leicht umgehen konnte. Und eine Woche später fand ich auf dem Weg zum Zwiesel große Teile des Blombergs entwaldet vor; hier waren aber die Aufräumarbeiten schon fortgeschritten, so dass die meisten Stämme säuberlich gestapelt am Wegesrand lagen. Auch der Fahrweg von Birkenstein zum Breitenstein war in der Woche darauf schon freigeräumt; nur am Steig zur Bucheralm lagen noch ein paar Bäume — zum Glück nicht kritisch — im Weg. Auch der südliche Aufstieg zum Wank (Frühjahrklassiker) war frei; hier schienen überraschenderweise fast gar keine Bäume umgestützt zu sein. Das ermutigte mich, als nächstes beim Aufstieg zum Hochgern im unteren Bereich die inoffiziellen Steige durch den Wald zu nehmen — was gut funktionierte, obwohl sich die (zahlreichen) Wanderer weiter oben noch über ein paar sehr unglücklich in den Fahrweg gestürzte Bäume quälen mussten. Zum Monatsende ging es noch zum Hirschhörndl, wo mein Mut belohnt wurde: Aller Wahrscheinlichkeit zum Trotz versperrte mir auf meiner Abstiegsvariante über die Kotalm kein Baum den Weg!

Trotzdem war auch klar: In diesem Jahr würde ich auf „wilde“ Wege, auf denen umgestürzte Bäume erst spät oder gar nicht geräumt werden würden, weitgehend verzichten müssen. Sonst würde man immer Gefahr laufen, umkehren zu müssen.

Nächstes Mal: Mai-August


Mein Bergjahr 2018: Teil 3 (Herbst)

2. März 2019

Was bisher geschah.

Am Aufstieg zum Keilbachjoch

Der September, eigentlich ja noch Sommer, begann mit einer entschieden herbstlichen, neblig-nieseligen Wanderung vom Ursprungpass zum Soinsee, gefolgt von einer trockeneren, aber auch sehr wolkigen und eher unspektakulären „Überschreitung“ des Scheinbergjochs im Graswangtal. Und wo kann man 1600 Höhenmeter den Berg hinauflaufen und dann gemütlich mit dem Bus wieder runterfahren? Richtig, im Zillertal – von Hippach über die Brindlingalm zum Rauhenkopf an der Zilllertaler Höhenstraße. Ebenfalls im Zillertal, ebenfalls vom Bus abhängig: eine Tagestour von der Grüne-Wand-Hütte über die Kasseler Hütte zum Keilbachjoch an die Grenze zu Südtirol. Obwohl sich noch zwei Gipfel direkt in der Nähe des Jochs anbieten, hat die Zeit dafür leider nicht mehr gereicht – der letzte Bus wäre weg gewesen. Am Ende des Monats ging es dann noch einmal aus Langeweile von Lenggries zum Brauneck, diesmal über den Seufzerweg – und schließlich noch aus dem Rißtal über die Plumsjochhütte zu dem Berg, den ich mal Vordere Bettlerkarspitze nenne (ja, ist eigentlich nur ein Vorgipfel, bevor es so richtig zur Sache ginge).

Sonnenuntergang am Schildenstein

Und dann begann mein „langer Berg-Oktober“. Als erstes habe ich erstmal den am wenigsten überlaufenen Anstieg zur Kampenwand gefunden: von Aigen unter der Gedererwand hindurch und an der Steinlingalm östlich am Gipfel vorbei, dann von Süden rauf. „Leer“ war’s da auch nicht, aber im Vergleich zum Weg von Aschau aus…! Als nächstes ging es bei leichtem Regen (grr!) von Geitau über den glitschigen Steig zum Aiplspitz, über den Jägerkamp und den aufgelassenen (warum eigentlich?) Pfad zum Spitzingsattel. Unsere Hoffnung auf Lamas, Schweine und/oder Murmeltiere wurde leider auch enttäuscht; die Jägerbauernalm war schon im Winterschlaf und die Murmeltiere wohl auch. Fast kaputt gemacht hätte ich mich am nächsten, super sonnigen Tag auf dem Weg von Griesen zur Schellschlicht – er schien und schien einfach kein Ende zu nehmen, obwohl ich dieses Jahr schon längere Touren gegangen war. Aber ich hab’s trotzdem durchgezogen… Es folgten drei Touren auf der Achse Sylvenstein/Achensee: eine spätnachmittägliche Tour zur Hochplatte über Achenkirch im schönsten Herbstabendlicht; eine faule Mit-der-Seilbahn-wieder-runter-Wanderung von Maurach bis zum Gschöllkopf; und ein Tag vom Tortal über die Torscharte ins Rohntal, natürlich ein absoluter Herbstklassiker. Eine „Hochplatte“ kommt selten allein – darum ging es auch noch in den Chiemgau nach Schleching, von Mühlau auf die dortige Hochplatte und über den semi-offiziellen Steig über den Teufelstein zurück. Nach alldem bin ich dann in Berge gefahren und habe Kurzurlaub gemacht – im Montafon. Als erstes ging es dort von Latschau zur Tschaggunser Mittagsspitze und im großen Bogen über den Schwarzhornsattel zurück. Dann habe ich mich aber zurückgenommen und bin zweimal meine bewährte Seilbahnstrategie gefahren: von St. Gallenkirch über Tanafreida zur Zamangspitze hinauf und weiter zur Hochjochbahn, und von Gaschurn durchs Garneratal und übers Matschuner Joch zur Madrisella. Vor allem die erste Tour war trotz Seilbahn-„Nähe“ absolut einsam und wunderschön. Zum Abschluss bin ich von der Bielerhöhe zum Hohen Rad gekraxelt – über weite Strecken eine schöne Tour, bis auf die grausamen Blockfelder im Aufstieg und (in geringerem Maße) Abstieg zur/von der Radschulter. Okay, die Aussicht auf die vom Klimawandel schwer gezeichneten Gletscher der Silvretta kann auch etwas deprimieren. Der Monat war danach aber immer noch nicht ganz vorbei: Mit Kolleginnen und Kollegen ging es zu einer Sonnenuntergangstour zum Zwiesel von der Waldherralm aus, bei der es leider nur wenig Sonnenuntergang gab. Ein paar Tage später hatte ich dann alleine einen fantastischen Sonnenuntergang auf dem Schildenstein (ja, ich Fiesling habe Fotos davon rumgeschickt).

Herbst am Geigelstein

Im November wanderte ich gleich an Allerheiligen, immer noch auf der Suche nach mir neuen Strecken, über den gut gangbaren aufgelassenen Steig über den Ostgrat zur Hochsalwand – leider bei solchem Sturm, dass man sich am Gipfel kaum aufhalten konnte. Zwei Tage später hatten wir mehr (spätes) Glück mit dem Wetter, als wir beim Austieg von der Fürschlacht zum Veitsberg nur zehn Minuten unterm Gipfel durch die Wolkendecke brachen und im strahlenden Sonnenschein standen. Einmal noch ging es ins Zillertal: von Großhartberg zum Wiedersberger Horn, eine überraschend schöne Wanderung, bei der mich nur die plötzlich zahlreichen Menschen in Gipfelnähe überraschten – die Alpbacher Seilbahn fuhr tatsächlich noch. Dann gab es noch eine tolle Runde über den Geigelstein von Ettenhausen aus bei schönem, leicht dunstigen Herbswetter; eine Wanderung zum Brunnenkopf im Graswangtal über den nicht beschilderten Pfad am Roßeck entlang; und der erschreckend einsame Aufstieg von Bad Reichenhall über (noch eine) Hochplatte und Dreisesselberg zum Karkopf. Klar ging’s wieder mit der Predigtstuhl-Seilbahn runter – da bin ich faul…

Fast schon Winter an der Huberalm

Der gefühlte Herbst endete dann Anfang Dezember mit einer kleinen Tour von Bad Feilnbach zur Farrenpoint, wo tatsächlich schon ein bisschen Schnee lag. Winterlich dagegen fühlte sich kurz darauf schon die kleine Runde über die Gindelalmschneid von Schliersee aus an, bei der schon eine geschlossene Schneedecke lag. Das Bergjahr endete schließlich kurz vor Silvester mit einem Winter-Klassiker: einem Besuch am Rotwandhaus. Die haben jetzt endlich auch Speckknödelsuppe!

 


Mein Bergjahr 2018: Teil 2 (Frühjahr/Sommer)

3. Februar 2019

Was bisher geschah.

Hundsalmjoch vom Köglhörndl

Im Mai ging es erstmal auf eine unspektakuläre Frühjahrs-Höhenmeter-Trainingstour von Söll durch die Salvenau zur Hohen Salve. Das nächste Wochenende wurde dagegen schon interessanter: Von Mariastein ging es zur Mariasteiner Alm und dann über einen offiziell nicht mehr existierenden Weg im großen Bogen zum Köglhörndl; es gibt da zwei solcher Wege, aber ich habe den einfacheren genommen. Weiter ging es über den Grat zum Hundsalmjoch, was eine schöne Runde daraus machte. Tags darauf bin ich noch schnell von Lenggries über die Loghamalm zum Brauneck aufgestiegen – auf einem Weg, von dem ich dachte, dass er für mich neu wäre. Wenn man dann später am GPS-Track merkt, dass man da doch schon mal war, dann wird man wohl alt – oder ist doch ein bisschen viel in den Bergen unterwegs… Die Trainingsphase ging dann weiter mit einem Aufstieg zur Höllentalangerhütte über den Stangensteig und weiter übers Hupfleitenjoch zum Osterfelderkopf. Damit war die Rauf-wandern-Seilbahn-runter-Phase aber noch nicht abgeschlossen, denn einer meiner Frühjahr-Lieblingsklassiker stand an: von Süden zum Kössener Unterberghorn, diesmal von Griesenau bzw. Altmühl (am direkten Weg von Griesenau stand ein „Durchgang verboten“-Schild…) und die Stubenalm. Zum Ende des Monats hin gab es dann noch eine Gratwanderung: aus dem Rißtal – unter Auslassung der Fleischbank zwecks Energieersparnis – zum Hölzelstaljoch und zum Grasberg, wo kaum ein Mensch unterwegs war, obwohl es hier so tolle Ausblicke übers ganze Vorkarwendel gibt. Ob es an der einen kurzen Kletterstelle liegt? Nach einem kurzen Aufstieg zum Grubigstein von Lermoos über die Gartneralm endete der Monat an Fronleichnam mit einer Besteigung des Fellhorns von Erpfendorf. Auch hier habe ich bis kurz vorm Straubiger Haus keine Menschenseele gesehen, dabei war der steile Waldweg wirklich schön.

Spätnachmittag am Heimgarten

Der Juni begann zwei Tage später mit stimmungsvoll dunklen Wolken, aus denen es aber nie regnete, am Weitalpkopf im Graswangtal. Spannend, aber eigentlich nicht so schwer fand ich den inoffiziellen Weiterweg zum Weitalpsattel; auf dem offiziellen Weg zurück zum Ammerwald im engen Rogental kommt man sich vor wie abgeschnitten von der Welt. Tags darauf ging es in die Chiemgauer Alpen, genauer: vom Heutal zum Sonntagshorn, wo mich die zahllosen Kehren auf dem Wiesen- und Latschenweg zum Gipfel beeindruckt haben – wie ein „Stilfser Joch für Fußgänger“. Am nächsten Wochenende habe ich zunächst den Münchner Klassiker, den Hirschberg, besucht – allerdings in einer leicht variierten Version von Kreuth über die Weitbergalm und am Silberkopf vorbei; runter ging es ganz normal über die Skipiste nach Brunnbichl, und ich hatte echt vergessen, wie lästig das ist. Und dann wollte ich meine Kondition mal so richtig testen: von Zell am Ziller ging ich über den Gerlosberg hinauf zur Außerertensalm und zur Karspitze – 1740 Höhenmeter, zuletzt arg schwerfällig. Zum Glück musste ich dank der Seilbahn nur gut 500 davon wieder heruntergehen. Als nächstes fand ich mich in Aschau bei Kitzbühel wieder, wo es immer hart am Rande des Skigebiets, aber trotzdem landschaftlich sehr schön, hinauf zum Schwarzkogel ging. Auch noch abzuhaken galt es den Hochmiesing – auf dem war ich noch nie, obwohl er aus der Münchner Gegend so leicht zu erreichen ist. Um die Tour etwas interessanter zu machen, bin ich in der Valepp losgegangen, den Todtengraben hinauf und unter der Rotwand durch. Eine spontane Nachmittagstour führte mich in der nächsten Woche von Ohlstadt durchs Tal der Kaltwasserlaine zum Heimgarten – so viel schöner als mit Hunderten über den Grat vom Herzogstand! Am Wochenende ging das Motto „seltene Wege auf vielbesuchte Berge“ am Wank weiter, aber zum Abschluss des Monats gab es noch eine größere Runde: von Fall über Dürrenbergjoch zum Demeljoch und über die Demelalm zurück. Was habe ich auf dem langen Fahrweg zurück die Mountainbiker beneidet…

Daniel

Am Tag drauf war schon Juli. Da ging es zum Hinterstaufen, um genau zu sein erst zum Zwiesel und dann über den doch „gar nicht so ohne“-Gratweg weiter zum Gamsknogel und über die Kohleralm zurück. Im Abstieg hat mich die OpenCycleMap im Wald arg im Stich gelassen und ich wäre fast in Weißbach rausgekommen, aber irgendwann hat sich mein bordeigener Orientierungssinn doch wieder eingeschaltet. Als nächstes ging es von Buch im Inntal zum Gratzenkopf – auch so eine Wanderung, die außer mir niemand macht. Eigentlich hatte ich hab damit geliebäugelt, noch zum Kellerjoch weiterzugehen, aber leider wurde es ein bisschen spät, um dann aus dem Zillertal mit Bus und Bahn noch zurück nach Buch zu kommen. (Der Bus fuhr dann nicht und ich musste das letzte Stück nochmal zu Fuß gehen.) Und dann war ich – zum zweiten Mal in meinem Leben – auf der Upsspitze und dem Daniel. Natürlich habe ich diesmal den aus unerfindlichen Gründen weniger beliebten Weg von Ehrwald durchs Meirtl genommen und was soll ich sagen? Im Aufstieg kein Mensch, im Abstieg über die Tuftlalm Dutzende. Es folgten zwei kleinere Touren im Zillertal: zuerst an einem Tag, an dem es erst in Strömen regenete und zuletzt die Sonne vom blauen Himmelschien, vom Gattererberg bis zur Steinbergaste; und dann sind wie von der Hirschbichlalm an der Zillertaler Höhenstraße zum Wimbachkopf gegangen und weiter zum Öfelerjoch, wo neuerdings ein breiter Fußweg angelegt war, der der Gegend oberhalb der Hirschbichlalm irgendwie die Wildheit nimmt… Der Monat endete mit einem erstmaligen Besuch am Hirzer, wo um die Pofersalm herum ein Teppich aus Kuhfladen den Weg deutlich erschwerte, und einem Klassiker in Ehrwald: über den Hohen Gang zum Seebensee und weiter bis zum Tajatörl.

Am Sonneck

Der August begann mit einem freien Tag mit nur mäßigem Wetter, an dem ich mich von Kreuth aus durch den Riedlerner Graben zum Risserkogel aufgemacht habe. Der aufgelassene Abstieg über die ehemalige Rißalm zur Ableitenalm war problemlos, aber im Tal habe ich natürlich wie fast immer in diesem Sommer den Bus verpasst… Als nächstes stand eine Überschreitung der Unnutze am Achensee an, die ich vor vierzehn Jahren schon mal gemacht hatte. Zum Glück habe ich auch mich selbst gehört und bin im Uhrzeigersinn gegangen, sonst hätte ich die grusligen Latschengassen oberhalb der Zöhreralm im Abstieg… schauder! Am nächsten Wochenende hielt ich mich samstags mit einer kleinen Tour zur Bodenschneid von Enterrottach aus zurück, um am Sonntag genug Kraft für ein Highlight zu haben: das Sonneck im Wilden Kaiser. So eine abwechslungsreiche Tour… Wald, Alm, leichte Felskletterei… die Wucht der Felsen um einen herum, die Fernsicht… tollkühne Paragleiter… die Lamas später an der Kaiseralm… großartig. Nicht schlecht, aber totales Kontrastprogramm war dann die Schlierewand und das Sandegg aus dem Rotlechtal mit Abstieg nach Kelmen: kleine Pfade, wenig Menschen, und ein irgendwie unglaublich grünes Tal. Nochmal Kurswechsel, denn als nächstes ging es zum Watzmannhaus, wo ich tatsächlich noch nie gewesen war. Natürlich lief man da mit Hunderten anderer durch die Gegend, wobei es auf dem Falzsteig zur Kühroint dann sofort deutlich weniger wurden. Warum eigentlich?Es folgte die irgendwie irrste Tour des Sommers: in wechselnden Nebelschwaden von Inneralpbach zum Lämpersberg, Kleinem und Großem Beil, Gressenstein und Sonnjoch. Selten habe ich mich so abgeschieden von der Welt gefühlt, obwohl bis zum Großen Beil sporadisch Menschen (und/oder Schafe) aus dem Nebel auftauchten. Ich muss das nochmal bei gutem Wetter machen. Am Sonnjoch klarte es dann deutlich auf, und an der Steinbergalm wurde ich als „abgekämpft“ eingestuft, wahrscheinlich zu Recht. Gegen Ende des Monats zog es mich dann noch zweimal ins Zillertal – wie eigentlich ziemlich oft dieses Jahr. Die Tour vom Stillupspeicher über die Krötzelbergalm zum Filzenkogel war mehr eine Notfall-Tour, weil sich das Wetter nicht recht entscheiden konnte und ich unsicher war. Trotzdem ist es bis zum Filzenalmplateau, wo man auf die Menschenmassen der Ahornbahn trifft, eine sehr schöne Tour. Ich hätte sie gern noch um die Filzenschneid erweitert, um wieder mehr Bergeinsamkeit zu finden, aber war leider schon recht spät am Tag. Und schließlich bin ich noch meinem (nicht erst gemeinten) Ziel näher gekommen, den Berliner Höhenweg ohne eine einzige Hüttenübernachtung komplett abzugehen, näher gekommen: von Ginzling ging es hinauf zur Gamshütte und dann über den Höhenweg zur Grauen Platte und zur Feldalm, bevor es zurück ins Tal ging.

Nächstes Mal: September bis Dezember


Mein Bergjahr 2018: Teil 1 (Winter/Frühjahr)

20. Januar 2019

Drei Jahre ist es inzwischen her, dass ich dieses Blog ins einer (semi-)ausführlichen Form aufgegeben habe.

Aber 2018 war ein absolutes Rekordjahr für mich; deswegen habe ich irgendwie das Bedürfnis, es hier festzuhalten, bevor in meiner Erinnerung alles miteinander verschmilzt. Falls ihr am Ende den Eindruck habt: „Das ist doch alles nicht normal!“ — ja, das sehe ich auch so…

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Köglalm

Das Jahr begann, wie Jahre das nun mal so tun in unseren Breiten, im Winter. Im Januar bin ich von Kufstein zum Brentenjoch gegangen, das letzte Stück dummerweise über den Steig und nicht den Fahrweg. Da die Spur aus genau einem anderen Menschen bestand und ich bis zu den Knien eingesunken bin, war ich am Weinbergerhaus fix und fertig. Eine Woche später in Lenggries lag weniger Schnee, aber am Sulzersteig zur  Lenggrieser Hütte waren noch die abgegangenen Lawinen der letzten Wochen mitten im Wald sichtbar (schluck), und am Seekarkreuz war es schwierig abzuschätzen, wo der Gipfel aufhörte und die Wächte begann. Dann hat es wieder geschneit und es gab nur noch zwei kleinere Ausflüge: bei Sonnenschein von Achenkirch zur Köglalm; und bei mäßigem Wetter mehr so zum Training von der Talstation zur Bergstation der Wallbergbahn.

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Farrenpoint

Im Februar ging es mit Schneeschuhen von Geitau zum Taubensteinhaus und weiter zum Spitzingsee — würde ich allerdings im Nachhinein nur bedingt empfehlen, weil man doch viel schräg zum Hang gehen muss. Es folgten zwei Winter-Klassiker: von Sagbruck zur Farrenpoint und zum Mitterberg; und von der Waldherralm zum Zwiesel — wo ich den neuen Fahrweg zur Schneiteralm entdeckt habe, der im Winter wirklich äußerst reizvoll ist. Ein bisschen abenteuerlich war die Tour vom Tatzelwurm zum Rehleitenkopf, weil wir oberhalb der Baumgrenze in dichtem Nebel liefen und die Spur kaum zu erkennen war — und wir uns dann einen „inoffiziellen“ Abstieg zur Hohen Asten gesucht haben und es gar nicht so leicht ist, mit Schneeschuhen über umgestürzte Bäume zu kraxeln. Richtig neblig war es leider auch auf dem Weg von Tegernsee zur Baumgartenschneid, so dass aus der Überschreitung in Richtung Schliersee nichts wurde. Man konnte einfach nicht sehen, wo es weitergehen würde.

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Kleiner Gamsstein, dahinter der Gilfert

Großen Spaß dagegen hatte ich im März auf einer seltenen Winterexkursion weit nach Tirol hinein: bei strahlendem Sonnenschein von Hochfügen zum Kleinen Gamsstein — da fühlt man sich fast wie beim Winter im Hochgebirge, trotz des langen Fahrwegs… und der Menschenmengen am Loas. Außerdem ging es im März noch von Bad Wiessee zum Fockenstein — was mich trotz relativ geringer Schneelage und dem flachen Anstieg übers Neuhütteneck viel Kraft gekostet hat. Und im zweiten Anlauf des Winters habe ich es auch bis zum Wallberg-Gipfel geschafft, ohne die Seilbahn zu benutzen. Also, ohne sie für den Aufstieg zu benutzen. Ähem.

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Hochgern

Im April ging es dann zunächst zum Training den schon weitgehend schneefreien Normalweg über die Südhänge zum Wank. Daraufhin etwas übermütig geworden, wollte ich als Nächstes von Hainbach ebenfalls von Süden zur Kampenwand-Seilbahn. Aber das enge Tal hatte den Schnee dort deutlich besser vor der Sonne geschützt, und an der Dalsenalm war notgedrungen Schluss. Überhaupt lag im Chiemgau noch gut Schnee, wie ich auch eine Woche später am Hochgern merken sollte. Dort war aber so viel los, dass es eine perfekte Spur bis obenhin gab. Die massive Wächte am Gipfel habe ich trotzdem nur aus sicherer Entfernung bestaunt. Als nächstes ging es völlig schneefrei von Erl zum Kranzhorn und von Farchant zum Schafkopf, und ich dachte schon, der Winter sei endgültig vorbei. Aber es war ja erst April, und ich manchen Ecken fand ich ihn dann doch noch: am nächsten Wochenende zum Beispiel kam ich zwar schneefrei aus der Jachenau zum Hirschhörndl, aber am Weiterweg von der Kotalm zum Jochberg musste man doch noch ziemlich stapfen. Und einen Tag später erwies sich nach dem sonnigen Aufstieg von Lenggries aus auch der nordostseitige Abstieg vom Geierstein als zuerst glattgefroren (bäh!), dann knietief und sulzig (ganz lustig). Ein paar Schneeflecken gab es auch am nächsten Wochenende noch auf meiner selbsternannten „Großen Walchseerunde“ über Brennkopf und Wandberg zur Priener Hütte und zurück über die Lochneralm. Fast hätte ich noch versucht, den Geigelstein mitzunehmen, aber zum Glück habe ich meinen Größenwahn noch rechtzeitig erkannt. Am nächsten Tag gings noch vom Ursprungpass über den Semmelkopf (Ascherjoch) zum Trainsjoch.

Nächstes Mal: Mai-August


Wenn der Hubschrauber kommt

18. Dezember 2013

Was ich noch nicht erwähnt habe: Vor zwei Wochen war ich (am Rande) an einer Hubschrauber-Rettung beteiligt. Jemand hatte sich verletzt (nicht lebensbedrohend), und ich war quasi als erster bei ihm. Ich hätte das Ganze hier gern detaillierter aufgeschrieben, aber das möchte ich nicht ohne das Einverständnis der Betroffenen machen – und leider habe ich nichts mehr von ihnen gehört. Darum fasse ich mich mal kurz und gebe nur eine Übersicht über die Dinge, die ich dabei gelernt habe:

  • Wer den Notruf absetzt, muss bis zum Ende der Rettung vor Ort bleiben, egal was. Denn deine Rufnummer ist jetzt der einzige Kontakt, den die Retter zum Verletzten haben.
  • In medizinisch eher unkritischen Situationen wie dieser ist es vermutlich sinnvoller, die Bergwacht (140 in Österreich) anzurufen als den allgemeinen Notruf (144). So spart man sich ca. fünf Minuten, die es dauert, bis die Informationen von der Notrufzentrale zur Bergwacht kommen. (Hatte ich eigentlich auch so vor, habe aber peinlicherweise die Nummern verwechselt). (Andi korrigiert das in den Kommentaren, siehe unten.)
  • Rettungshubschrauber dürfen offenbar die Staatsgrenze kreuzen, danach aber nicht unbedingt alle Krankenhäuser anfliegen, sondern nur bestimmte. Und das sind nicht unbedingt die nächstgelegenen.
  • Wenn dann der Hubschrauber kommt und die Retter am Tau einfliegt, sollte man einen sicheren Stand haben, am besten hockt man sich hin. Sonst kann es passieren, dass man vom Abwind umgeworfen wird. Ähem.
  • Und: Während der Hubschrauber über einem schwebt, und das womöglich noch bei Pulverschnee, sollte man möglichst nicht mit bloßen Händen dastehen. Sonst ist das mit der Feinmotorik für eine Weile nicht mehr so weit her…

Die meistgeklickten bergsommer-Touren

23. Oktober 2013

Stefanie von Gipfelglück hat mich mit einer, öhm, gewissen Vehemenz herausgefordert, offenzulegen, welche Touren in meinem Blog am häufigsten angeklickt werden. Meine Proteste, dass das voll die langweiligen Touren sind, verhallten ungehört. Und, zugegeben, es ist vielleicht ein bisschen anmaßend von mir, darüber zu urteilen, was ihr, mein geschätztes Publikum, langweilig oder interessant zu finden habt.

Also, hier sind sie:

Alpschrofen
Platz 10
Aus dem Gartnertal zur Gartnerwand (Lermoos) – okay, die Tour ist wirklich ganz interessant. Und wenn man drin steckt, auch wirklich spannend. Ich empfehle sie aber/folglich nur furchtlosen, erfahrenen Gehern.

Platz 9
Zum Kössener Wetterkreuz – zweimal war ich inzwischen dort, und beide Male habe ich es nicht bis zum eigentlich-richtigen Gipfel in der Gegend geschafft, der Rudersburg. Ein lokaler Klassiker.

Platz 8
Zur Stepbergalm bei Garmisch – die Tour für alle, denen der Kramerspitz ein bisschen zu viel ist. Sie eignet sich insofern auch ganz gut als Alternative, da es zwei Zustiege gibt und man so auch ohne Gipfelbesuch problemlos eine Rundtour daraus machen kann.

Platz 7
Zur Mittelstation der Wank-Seilbahn in Partenkirchen – dazu muss ich nichts sagen, oder?

Platz 6
Seebergkopf von Bayrischzell aus – ein absoluter „Münchner Klassiker“ mit eigenem Parkplatz und so. Eigentlich ist man wirklich nicht auf mein Blog angewiesen, wenn man Informationen dazu braucht…

Platz 5
In den Rißsattel bei Vorderriß- mehr eine Kuriosität am Rande als eine richtige Tour. Der Weg ist sehr schön, aber leider auch sehr kurz und endet mehr oder weniger im Nichts.

Gunggl IV
Platz 4
Ginzlinger Hochalmweg bis zur Pitzenalm – eine wunderschöne Tour. Ich habe sie zwar inzwischen so ähnlich wie bei mir auch schon irgendwo gedruckt gesehen (im Prospekt des Tourismusvereins vermutlich?). Überlaufen ist sie aber trotzdem wahrhaftig nicht.

Platz 3
Zum Schönfeldjoch am Ursprungpass – ein Geheimtipp ist was anderes, aber diese Tour ist definitiv kein Klassiker. Was komisch ist, denn sie ist eigentlich von Klassikern umzingelt.

Platz 2
In die Gegend der Jovenalm bei Durchholzen – wirklich nicht zu empfehlen. Es gibt neben meinem aber nur wenige Google-Einträge zu dieser Alm (und völlig zu Recht). Deshalb kommen die Leute, die nach ihr suchen, hierher.

Platz 1
Über den Immensteig zum Seebensee – sehr schön und auch nichts für die blutigsten unter den Anfängern, aber keine wirklich große Tour. Man sollte wenigstens bis zur Coburger Hütte weitergehen.

Soo… nun sind ja meine Blog-Einträge mehr als Erlebnisschilderung gedacht, und die wirklich nützlichen Informationen finden sich eher drüben auf der Website. Dort finden sich interessanterweise durchaus nicht dieselben Touren an der Spitze – „nur“ das Wetterkreuz, der Immensteig und die Pitzenalm sind auch dort vorne mit dabei.

Navistal
Außerdem dort in den Top Ten: vier beliebte Touren im Bereich Garmisch-Partenkirchen bzw. Mittenwald (übers Gatterl zur Zugspitze; die Schöngänge im Alpspitzgebiet; über den Rindersteig zum Osterfelderkopf; das Dammkar hinauf); der vielleicht etwas seltenere Besuch des Steinernen Hüttls nebenan von Ehrwald aus; die Friesenbergscharte bei Hintertux, die wohl meist nur als Teil von Mehrtagestouren begangen wird; und das Rosenjoch aus dem Voldertal – und das kann ich wirklich nur immer wieder empfehlen.

… und beim nächsten Mal erzähle ich euch dann, welche Touren ihr eigentlich anklicken solltet


Geschützt: 131201

5. Dezember 2000

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