Höhenbergnieder (Schwarzachscharte) – Im Reich der Schafe


In der Scharte

Ich habe eine Regel, die lautet: „In den Bergen bist du nie so allein, wie du denkst“ – zumindest, solange man auf den offiziellen markierten Wanderwegen bleibt. Auch wenn man stundenlang weit und breit keinen Menschen sieht, am Ende kommt einem doch einer entgegen oder sitzt oben am Gipfel.

Das war am Höhenbergnieder anders, und das fand ich besonders merkwürdig, weil es nicht nur ein markierter Weg ist, der da hinaufführt. Dieser Weg wird sogar in den offiziellen Broschüren des Tourismusverbands (also der Zillertal Arena) erwähnt, was ja für viele bergigere Wege auch nicht selbstverständlich ist. Trotzdem war da oben außer mir kein Mensch. Einerseits ist das toll, andererseits auch ein bisschen gespenstisch. Vor allem, wenn ich allein unterwegs bin, finde ich es immer beruhigend zu wissen, dass zumindest noch irgendwelche anderen Menschen im Notfall in der Nähe wären.

Wobei, so ganz stimmt das auch nicht: Am Morgen beim Aufstieg bin ich durchaus Menschen begegnet – einer Handvoll Schäfer, die sich bemühten, ihre Schafe zu einer Herde zu machen und dann aus den Hochlagen hinab zu treiben. An Schafen herrscht im Schwarzachtal nämlich kein Mangel. Erst dachte ich, das wäre schon der Almabtrieb der Schafe, aber am Nachmittag habe ich sie dann nahe der Schwarzachalm uneingezäunt wiedergetroffen. Vielleicht waren sie im Laufe der Zeit nur zu weit hinauf „getrieben“.

Der Weg war eigentlich schön, aber anstrengend: Im unteren Teil, der lange im Schatten liegt, war es oft rutschig; am Ende geht es eine ganze Weile über große Felsblöcke, die teilweise überraschend kippeln. Ich würde behaupten, dass ich mich einigermaßen mit dem Gehen auf Blockwerk auskenne, und ich musste trotzdem das eine oder andere akrobatische Manöver durchführen.

Und dann stand ich am Ende des Tales (und zwar etwas weiter oben, als es auf der Karte aussieht) mit dem wunderschönen Blick in den Zillergrund und den Sundergrund und in die Zillertaler Alpen. Und auf die Höhenbergkaralm weit unter mir im Zillergrund, zu der aber von hier kein Weg hinabführt – und die überhaupt von der Außenwelt abgeschnitten scheint, keine Almstraße, keine Materialseilbahn… Das hat die gefühlte Abgeschiedenheit von der Welt noch zusätzlich verstärkt. Eine merkwürdige Stimmung, aber irgendwie sehr angenehm.

Im Gegensatz zur Darstellung in der Karte deuteten die Markierungen vor Ort darauf hin, dass der Weg noch zum Höhenbergkarkopf weitergegangen wäre; das habe ich mir dann aber gespart. Und stattdessen noch ein paar Minuten länger die Bergeinsamkeit genossen.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.

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