Mein Bergjahr 2018: Teil 3 (Herbst)

2. März 2019

Was bisher geschah.

Am Aufstieg zum Keilbachjoch

Der September, eigentlich ja noch Sommer, begann mit einer entschieden herbstlichen, neblig-nieseligen Wanderung vom Ursprungpass zum Soinsee, gefolgt von einer trockeneren, aber auch sehr wolkigen und eher unspektakulären „Überschreitung“ des Scheinbergjochs im Graswangtal. Und wo kann man 1600 Höhenmeter den Berg hinauflaufen und dann gemütlich mit dem Bus wieder runterfahren? Richtig, im Zillertal – von Hippach über die Brindlingalm zum Rauhenkopf an der Zilllertaler Höhenstraße. Ebenfalls im Zillertal, ebenfalls vom Bus abhängig: eine Tagestour von der Grüne-Wand-Hütte über die Kasseler Hütte zum Keilbachjoch an die Grenze zu Südtirol. Obwohl sich noch zwei Gipfel direkt in der Nähe des Jochs anbieten, hat die Zeit dafür leider nicht mehr gereicht – der letzte Bus wäre weg gewesen. Am Ende des Monats ging es dann noch einmal aus Langeweile von Lenggries zum Brauneck, diesmal über den Seufzerweg – und schließlich noch aus dem Rißtal über die Plumsjochhütte zu dem Berg, den ich mal Vordere Bettlerkarspitze nenne (ja, ist eigentlich nur ein Vorgipfel, bevor es so richtig zur Sache ginge).

Sonnenuntergang am Schildenstein

Und dann begann mein „langer Berg-Oktober“. Als erstes habe ich erstmal den am wenigsten überlaufenen Anstieg zur Kampenwand gefunden: von Aigen unter der Gedererwand hindurch und an der Steinlingalm östlich am Gipfel vorbei, dann von Süden rauf. „Leer“ war’s da auch nicht, aber im Vergleich zum Weg von Aschau aus…! Als nächstes ging es bei leichtem Regen (grr!) von Geitau über den glitschigen Steig zum Aiplspitz, über den Jägerkamp und den aufgelassenen (warum eigentlich?) Pfad zum Spitzingsattel. Unsere Hoffnung auf Lamas, Schweine und/oder Murmeltiere wurde leider auch enttäuscht; die Jägerbauernalm war schon im Winterschlaf und die Murmeltiere wohl auch. Fast kaputt gemacht hätte ich mich am nächsten, super sonnigen Tag auf dem Weg von Griesen zur Schellschlicht – er schien und schien einfach kein Ende zu nehmen, obwohl ich dieses Jahr schon längere Touren gegangen war. Aber ich hab’s trotzdem durchgezogen… Es folgten drei Touren auf der Achse Sylvenstein/Achensee: eine spätnachmittägliche Tour zur Hochplatte über Achenkirch im schönsten Herbstabendlicht; eine faule Mit-der-Seilbahn-wieder-runter-Wanderung von Maurach bis zum Gschöllkopf; und ein Tag vom Tortal über die Torscharte ins Rohntal, natürlich ein absoluter Herbstklassiker. Eine „Hochplatte“ kommt selten allein – darum ging es auch noch in den Chiemgau nach Schleching, von Mühlau auf die dortige Hochplatte und über den semi-offiziellen Steig über den Teufelstein zurück. Nach alldem bin ich dann in Berge gefahren und habe Kurzurlaub gemacht – im Montafon. Als erstes ging es dort von Latschau zur Tschaggunser Mittagsspitze und im großen Bogen über den Schwarzhornsattel zurück. Dann habe ich mich aber zurückgenommen und bin zweimal meine bewährte Seilbahnstrategie gefahren: von St. Gallenkirch über Tanafreida zur Zamangspitze hinauf und weiter zur Hochjochbahn, und von Gaschurn durchs Garneratal und übers Matschuner Joch zur Madrisella. Vor allem die erste Tour war trotz Seilbahn-„Nähe“ absolut einsam und wunderschön. Zum Abschluss bin ich von der Bielerhöhe zum Hohen Rad gekraxelt – über weite Strecken eine schöne Tour, bis auf die grausamen Blockfelder im Aufstieg und (in geringerem Maße) Abstieg zur/von der Radschulter. Okay, die Aussicht auf die vom Klimawandel schwer gezeichneten Gletscher der Silvretta kann auch etwas deprimieren. Der Monat war danach aber immer noch nicht ganz vorbei: Mit Kolleginnen und Kollegen ging es zu einer Sonnenuntergangstour zum Zwiesel von der Waldherralm aus, bei der es leider nur wenig Sonnenuntergang gab. Ein paar Tage später hatte ich dann alleine einen fantastischen Sonnenuntergang auf dem Schildenstein (ja, ich Fiesling habe Fotos davon rumgeschickt).

Herbst am Geigelstein

Im November wanderte ich gleich an Allerheiligen, immer noch auf der Suche nach mir neuen Strecken, über den gut gangbaren aufgelassenen Steig über den Ostgrat zur Hochsalwand – leider bei solchem Sturm, dass man sich am Gipfel kaum aufhalten konnte. Zwei Tage später hatten wir mehr (spätes) Glück mit dem Wetter, als wir beim Austieg von der Fürschlacht zum Veitsberg nur zehn Minuten unterm Gipfel durch die Wolkendecke brachen und im strahlenden Sonnenschein standen. Einmal noch ging es ins Zillertal: von Großhartberg zum Wiedersberger Horn, eine überraschend schöne Wanderung, bei der mich nur die plötzlich zahlreichen Menschen in Gipfelnähe überraschten – die Alpbacher Seilbahn fuhr tatsächlich noch. Dann gab es noch eine tolle Runde über den Geigelstein von Ettenhausen aus bei schönem, leicht dunstigen Herbswetter; eine Wanderung zum Brunnenkopf im Graswangtal über den nicht beschilderten Pfad am Roßeck entlang; und der erschreckend einsame Aufstieg von Bad Reichenhall über (noch eine) Hochplatte und Dreisesselberg zum Karkopf. Klar ging’s wieder mit der Predigtstuhl-Seilbahn runter – da bin ich faul…

Fast schon Winter an der Huberalm

Der gefühlte Herbst endete dann Anfang Dezember mit einer kleinen Tour von Bad Feilnbach zur Farrenpoint, wo tatsächlich schon ein bisschen Schnee lag. Winterlich dagegen fühlte sich kurz darauf schon die kleine Runde über die Gindelalmschneid von Schliersee aus an, bei der schon eine geschlossene Schneedecke lag. Das Bergjahr endete schließlich kurz vor Silvester mit einem Winter-Klassiker: einem Besuch am Rotwandhaus. Die haben jetzt endlich auch Speckknödelsuppe!

 

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Mein Bergjahr 2018: Teil 2 (Frühjahr/Sommer)

3. Februar 2019

Was bisher geschah.

Hundsalmjoch vom Köglhörndl

Im Mai ging es erstmal auf eine unspektakuläre Frühjahrs-Höhenmeter-Trainingstour von Söll durch die Salvenau zur Hohen Salve. Das nächste Wochenende wurde dagegen schon interessanter: Von Mariastein ging es zur Mariasteiner Alm und dann über einen offiziell nicht mehr existierenden Weg im großen Bogen zum Köglhörndl; es gibt da zwei solcher Wege, aber ich habe den einfacheren genommen. Weiter ging es über den Grat zum Hundsalmjoch, was eine schöne Runde daraus machte. Tags darauf bin ich noch schnell von Lenggries über die Loghamalm zum Brauneck aufgestiegen – auf einem Weg, von dem ich dachte, dass er für mich neu wäre. Wenn man dann später am GPS-Track merkt, dass man da doch schon mal war, dann wird man wohl alt – oder ist doch ein bisschen viel in den Bergen unterwegs… Die Trainingsphase ging dann weiter mit einem Aufstieg zur Höllentalangerhütte über den Stangensteig und weiter übers Hupfleitenjoch zum Osterfelderkopf. Damit war die Rauf-wandern-Seilbahn-runter-Phase aber noch nicht abgeschlossen, denn einer meiner Frühjahr-Lieblingsklassiker stand an: von Süden zum Kössener Unterberghorn, diesmal von Griesenau bzw. Altmühl (am direkten Weg von Griesenau stand ein „Durchgang verboten“-Schild…) und die Stubenalm. Zum Ende des Monats hin gab es dann noch eine Gratwanderung: aus dem Rißtal – unter Auslassung der Fleischbank zwecks Energieersparnis – zum Hölzelstaljoch und zum Grasberg, wo kaum ein Mensch unterwegs war, obwohl es hier so tolle Ausblicke übers ganze Vorkarwendel gibt. Ob es an der einen kurzen Kletterstelle liegt? Nach einem kurzen Aufstieg zum Grubigstein von Lermoos über die Gartneralm endete der Monat an Fronleichnam mit einer Besteigung des Fellhorns von Erpfendorf. Auch hier habe ich bis kurz vorm Straubiger Haus keine Menschenseele gesehen, dabei war der steile Waldweg wirklich schön.

Spätnachmittag am Heimgarten

Der Juni begann zwei Tage später mit stimmungsvoll dunklen Wolken, aus denen es aber nie regnete, am Weitalpkopf im Graswangtal. Spannend, aber eigentlich nicht so schwer fand ich den inoffiziellen Weiterweg zum Weitalpsattel; auf dem offiziellen Weg zurück zum Ammerwald im engen Rogental kommt man sich vor wie abgeschnitten von der Welt. Tags darauf ging es in die Chiemgauer Alpen, genauer: vom Heutal zum Sonntagshorn, wo mich die zahllosen Kehren auf dem Wiesen- und Latschenweg zum Gipfel beeindruckt haben – wie ein „Stilfser Joch für Fußgänger“. Am nächsten Wochenende habe ich zunächst den Münchner Klassiker, den Hirschberg, besucht – allerdings in einer leicht variierten Version von Kreuth über die Weitbergalm und am Silberkopf vorbei; runter ging es ganz normal über die Skipiste nach Brunnbichl, und ich hatte echt vergessen, wie lästig das ist. Und dann wollte ich meine Kondition mal so richtig testen: von Zell am Ziller ging ich über den Gerlosberg hinauf zur Außerertensalm und zur Karspitze – 1740 Höhenmeter, zuletzt arg schwerfällig. Zum Glück musste ich dank der Seilbahn nur gut 500 davon wieder heruntergehen. Als nächstes fand ich mich in Aschau bei Kitzbühel wieder, wo es immer hart am Rande des Skigebiets, aber trotzdem landschaftlich sehr schön, hinauf zum Schwarzkogel ging. Auch noch abzuhaken galt es den Hochmiesing – auf dem war ich noch nie, obwohl er aus der Münchner Gegend so leicht zu erreichen ist. Um die Tour etwas interessanter zu machen, bin ich in der Valepp losgegangen, den Todtengraben hinauf und unter der Rotwand durch. Eine spontane Nachmittagstour führte mich in der nächsten Woche von Ohlstadt durchs Tal der Kaltwasserlaine zum Heimgarten – so viel schöner als mit Hunderten über den Grat vom Herzogstand! Am Wochenende ging das Motto „seltene Wege auf vielbesuchte Berge“ am Wank weiter, aber zum Abschluss des Monats gab es noch eine größere Runde: von Fall über Dürrenbergjoch zum Demeljoch und über die Demelalm zurück. Was habe ich auf dem langen Fahrweg zurück die Mountainbiker beneidet…

Daniel

Am Tag drauf war schon Juli. Da ging es zum Hinterstaufen, um genau zu sein erst zum Zwiesel und dann über den doch „gar nicht so ohne“-Gratweg weiter zum Gamsknogel und über die Kohleralm zurück. Im Abstieg hat mich die OpenCycleMap im Wald arg im Stich gelassen und ich wäre fast in Weißbach rausgekommen, aber irgendwann hat sich mein bordeigener Orientierungssinn doch wieder eingeschaltet. Als nächstes ging es von Buch im Inntal zum Gratzenkopf – auch so eine Wanderung, die außer mir niemand macht. Eigentlich hatte ich hab damit geliebäugelt, noch zum Kellerjoch weiterzugehen, aber leider wurde es ein bisschen spät, um dann aus dem Zillertal mit Bus und Bahn noch zurück nach Buch zu kommen. (Der Bus fuhr dann nicht und ich musste das letzte Stück nochmal zu Fuß gehen.) Und dann war ich – zum zweiten Mal in meinem Leben – auf der Upsspitze und dem Daniel. Natürlich habe ich diesmal den aus unerfindlichen Gründen weniger beliebten Weg von Ehrwald durchs Meirtl genommen und was soll ich sagen? Im Aufstieg kein Mensch, im Abstieg über die Tuftlalm Dutzende. Es folgten zwei kleinere Touren im Zillertal: zuerst an einem Tag, an dem es erst in Strömen regenete und zuletzt die Sonne vom blauen Himmelschien, vom Gattererberg bis zur Steinbergaste; und dann sind wie von der Hirschbichlalm an der Zillertaler Höhenstraße zum Wimbachkopf gegangen und weiter zum Öfelerjoch, wo neuerdings ein breiter Fußweg angelegt war, der der Gegend oberhalb der Hirschbichlalm irgendwie die Wildheit nimmt… Der Monat endete mit einem erstmaligen Besuch am Hirzer, wo um die Pofersalm herum ein Teppich aus Kuhfladen den Weg deutlich erschwerte, und einem Klassiker in Ehrwald: über den Hohen Gang zum Seebensee und weiter bis zum Tajatörl.

Am Sonneck

Der August begann mit einem freien Tag mit nur mäßigem Wetter, an dem ich mich von Kreuth aus durch den Riedlerner Graben zum Risserkogel aufgemacht habe. Der aufgelassene Abstieg über die ehemalige Rißalm zur Ableitenalm war problemlos, aber im Tal habe ich natürlich wie fast immer in diesem Sommer den Bus verpasst… Als nächstes stand eine Überschreitung der Unnutze am Achensee an, die ich vor vierzehn Jahren schon mal gemacht hatte. Zum Glück habe ich auch mich selbst gehört und bin im Uhrzeigersinn gegangen, sonst hätte ich die grusligen Latschengassen oberhalb der Zöhreralm im Abstieg… schauder! Am nächsten Wochenende hielt ich mich samstags mit einer kleinen Tour zur Bodenschneid von Enterrottach aus zurück, um am Sonntag genug Kraft für ein Highlight zu haben: das Sonneck im Wilden Kaiser. So eine abwechslungsreiche Tour… Wald, Alm, leichte Felskletterei… die Wucht der Felsen um einen herum, die Fernsicht… tollkühne Paragleiter… die Lamas später an der Kaiseralm… großartig. Nicht schlecht, aber totales Kontrastprogramm war dann die Schlierewand und das Sandegg aus dem Rotlechtal mit Abstieg nach Kelmen: kleine Pfade, wenig Menschen, und ein irgendwie unglaublich grünes Tal. Nochmal Kurswechsel, denn als nächstes ging es zum Watzmannhaus, wo ich tatsächlich noch nie gewesen war. Natürlich lief man da mit Hunderten anderer durch die Gegend, wobei es auf dem Falzsteig zur Kühroint dann sofort deutlich weniger wurden. Warum eigentlich?Es folgte die irgendwie irrste Tour des Sommers: in wechselnden Nebelschwaden von Inneralpbach zum Lämpersberg, Kleinem und Großem Beil, Gressenstein und Sonnjoch. Selten habe ich mich so abgeschieden von der Welt gefühlt, obwohl bis zum Großen Beil sporadisch Menschen (und/oder Schafe) aus dem Nebel auftauchten. Ich muss das nochmal bei gutem Wetter machen. Am Sonnjoch klarte es dann deutlich auf, und an der Steinbergalm wurde ich als „abgekämpft“ eingestuft, wahrscheinlich zu Recht. Gegen Ende des Monats zog es mich dann noch zweimal ins Zillertal – wie eigentlich ziemlich oft dieses Jahr. Die Tour vom Stillupspeicher über die Krötzelbergalm zum Filzenkogel war mehr eine Notfall-Tour, weil sich das Wetter nicht recht entscheiden konnte und ich unsicher war. Trotzdem ist es bis zum Filzenalmplateau, wo man auf die Menschenmassen der Ahornbahn trifft, eine sehr schöne Tour. Ich hätte sie gern noch um die Filzenschneid erweitert, um wieder mehr Bergeinsamkeit zu finden, aber war leider schon recht spät am Tag. Und schließlich bin ich noch meinem (nicht erst gemeinten) Ziel näher gekommen, den Berliner Höhenweg ohne eine einzige Hüttenübernachtung komplett abzugehen, näher gekommen: von Ginzling ging es hinauf zur Gamshütte und dann über den Höhenweg zur Grauen Platte und zur Feldalm, bevor es zurück ins Tal ging.

Nächstes Mal: September bis Dezember


Mein Bergjahr 2018: Teil 1 (Winter/Frühjahr)

20. Januar 2019

Drei Jahre ist es inzwischen her, dass ich dieses Blog ins einer (semi-)ausführlichen Form aufgegeben habe.

Aber 2018 war ein absolutes Rekordjahr für mich; deswegen habe ich irgendwie das Bedürfnis, es hier festzuhalten, bevor in meiner Erinnerung alles miteinander verschmilzt. Falls ihr am Ende den Eindruck habt: „Das ist doch alles nicht normal!“ — ja, das sehe ich auch so…

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Köglalm

Das Jahr begann, wie Jahre das nun mal so tun in unseren Breiten, im Winter. Im Januar bin ich von Kufstein zum Brentenjoch gegangen, das letzte Stück dummerweise über den Steig und nicht den Fahrweg. Da die Spur aus genau einem anderen Menschen bestand und ich bis zu den Knien eingesunken bin, war ich am Weinbergerhaus fix und fertig. Eine Woche später in Lenggries lag weniger Schnee, aber am Sulzersteig zur  Lenggrieser Hütte waren noch die abgegangenen Lawinen der letzten Wochen mitten im Wald sichtbar (schluck), und am Seekarkreuz war es schwierig abzuschätzen, wo der Gipfel aufhörte und die Wächte begann. Dann hat es wieder geschneit und es gab nur noch zwei kleinere Ausflüge: bei Sonnenschein von Achenkirch zur Köglalm; und bei mäßigem Wetter mehr so zum Training von der Talstation zur Bergstation der Wallbergbahn.

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Farrenpoint

Im Februar ging es mit Schneeschuhen von Geitau zum Taubensteinhaus und weiter zum Spitzingsee — würde ich allerdings im Nachhinein nur bedingt empfehlen, weil man doch viel schräg zum Hang gehen muss. Es folgten zwei Winter-Klassiker: von Sagbruck zur Farrenpoint und zum Mitterberg; und von der Waldherralm zum Zwiesel — wo ich den neuen Fahrweg zur Schneiteralm entdeckt habe, der im Winter wirklich äußerst reizvoll ist. Ein bisschen abenteuerlich war die Tour vom Tatzelwurm zum Rehleitenkopf, weil wir oberhalb der Baumgrenze in dichtem Nebel liefen und die Spur kaum zu erkennen war — und wir uns dann einen „inoffiziellen“ Abstieg zur Hohen Asten gesucht haben und es gar nicht so leicht ist, mit Schneeschuhen über umgestürzte Bäume zu kraxeln. Richtig neblig war es leider auch auf dem Weg von Tegernsee zur Baumgartenschneid, so dass aus der Überschreitung in Richtung Schliersee nichts wurde. Man konnte einfach nicht sehen, wo es weitergehen würde.

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Kleiner Gamsstein, dahinter der Gilfert

Großen Spaß dagegen hatte ich im März auf einer seltenen Winterexkursion weit nach Tirol hinein: bei strahlendem Sonnenschein von Hochfügen zum Kleinen Gamsstein — da fühlt man sich fast wie beim Winter im Hochgebirge, trotz des langen Fahrwegs… und der Menschenmengen am Loas. Außerdem ging es im März noch von Bad Wiessee zum Fockenstein — was mich trotz relativ geringer Schneelage und dem flachen Anstieg übers Neuhütteneck viel Kraft gekostet hat. Und im zweiten Anlauf des Winters habe ich es auch bis zum Wallberg-Gipfel geschafft, ohne die Seilbahn zu benutzen. Also, ohne sie für den Aufstieg zu benutzen. Ähem.

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Hochgern

Im April ging es dann zunächst zum Training den schon weitgehend schneefreien Normalweg über die Südhänge zum Wank. Daraufhin etwas übermütig geworden, wollte ich als Nächstes von Hainbach ebenfalls von Süden zur Kampenwand-Seilbahn. Aber das enge Tal hatte den Schnee dort deutlich besser vor der Sonne geschützt, und an der Dalsenalm war notgedrungen Schluss. Überhaupt lag im Chiemgau noch gut Schnee, wie ich auch eine Woche später am Hochgern merken sollte. Dort war aber so viel los, dass es eine perfekte Spur bis obenhin gab. Die massive Wächte am Gipfel habe ich trotzdem nur aus sicherer Entfernung bestaunt. Als nächstes ging es völlig schneefrei von Erl zum Kranzhorn und von Farchant zum Schafkopf, und ich dachte schon, der Winter sei endgültig vorbei. Aber es war ja erst April, und ich manchen Ecken fand ich ihn dann doch noch: am nächsten Wochenende zum Beispiel kam ich zwar schneefrei aus der Jachenau zum Hirschhörndl, aber am Weiterweg von der Kotalm zum Jochberg musste man doch noch ziemlich stapfen. Und einen Tag später erwies sich nach dem sonnigen Aufstieg von Lenggries aus auch der nordostseitige Abstieg vom Geierstein als zuerst glattgefroren (bäh!), dann knietief und sulzig (ganz lustig). Ein paar Schneeflecken gab es auch am nächsten Wochenende noch auf meiner selbsternannten „Großen Walchseerunde“ über Brennkopf und Wandberg zur Priener Hütte und zurück über die Lochneralm. Fast hätte ich noch versucht, den Geigelstein mitzunehmen, aber zum Glück habe ich meinen Größenwahn noch rechtzeitig erkannt. Am nächsten Tag gings noch vom Ursprungpass über den Semmelkopf (Ascherjoch) zum Trainsjoch.

Nächstes Mal: Mai-August


Wann öffnet die Seilbahn? (2016)

24. April 2016

Wenn ich im Frühjahr hauptsächlich Kondition bolzen will, suche ich mir gern Strecken, bei denen ich mit der Seilbahn runterfahren kann. Allerdings haben noch längst nicht wieder alle Seilbahnen offen. Deswegen habe ich etwas recherchiert, und dann dachte ich mir: Warum soll das jeder für sich machen? Also teile ich hier meine Erkenntnisse mit euch. Stand ist der 24. April 2016, alle Angaben sind ohne Gewähr.

Schon offen:
Buchenberg
Tegelberg
Kolbensattel
Eckbauer
Herzogstand
Blomberg
Hocheck (am Wochenende)
Kampenwand
Hochries

29.4.:
Breitenberg
Hochkössen

30.4.:
Hörnle
Laber
Wank
Brauneck
Wallberg
Rofan
Taubenstein
Hochfelln

1.5.:
Wendelstein-Seilbahn
Kaiserlift Kufstein
Hochplatte Marquartstein
Rauschberg

7.5.:
Karwendelbahn Pertisau

13.5.:
Kreuzeck
Ehrwalder Alm
Lermoos
Biberwier

14.5.:
Hocheck (ganze Woche)
Wilder Kaiser/Brixental (alle Bahnen außer Going)

26.5.:
Alpspitze

4.6.:
Steinplatte

„Mitte Juni“:
Stümpfling
Sutten

2.7.:
Going


Macht’s gut und danke für die Klicks!

1. August 2015

Sundown

Einen Bergsommer gibt es in den Alpen seit zirka 30 Millionen Jahren, seit ungefähr 15.000 Jahren nehmen Menschen ihn wahr, und seit vielleicht 200 Jahren genießen sie ihn.

bergsommer gibt es seit dem April 2004. Das kann natürlich mit seinem Namensgeber nicht mithalten. Aber in Internet-Jahren ist das trotzdem, äh, steinalt. Als bergsommer das erste Mal live ging, gab es noch kein Twitter oder YouTube. Facebook war zwei Monate alt und nur Studenten von vier Universitäten vorbehalten. Flickr war brandneu.

Und es gab kaum etwas über Bergtouren zu finden. Ich glaube, roBerge existierte schon und kraxl.de und auch steinmandl.de, aber ansonsten waren die Berg-Informationen im Internet dünn gesät. Heute gibt es zu jeder noch so obskuren Tour ein Dutzend Beschreibungen, bei den beliebten Klassikern wird es völlig unüberschaubar.

bergsommer wird heute einfach nicht mehr gebraucht.

Und das trifft sich, denn ich habe auch nicht mehr die ganz große Lust darauf. Die Website hatte im Laufe der Jahre drei Relaunches, die ich ganz old-school immer von Hand geschrieben habe. An die 200 Touren habe ich dort beschrieben, bebildert, beurteilt. Dazu kommen seit 2008 knapp 330 Blog-Einträge. Das alles hat mir zu der Zeit wahnsinnig Spaß gemacht, aber jetzt habe ich das Gefühl, dass ich nicht mehr viel Neues zum Thema beizusteuern habe. Oder jedenfalls: nichts mehr, das die Zeit und den Aufwand wert wäre.

Darum habe ich mich entschieden: bergsommer wird (weitgehend) beendet.

Das heißt konkret:

  • Die Website bergsommer.itsmyplanet.info wird nicht mehr aktualisiert. Alte Inhalte bleiben erstmal abrufbar.
  • Die Facebook-Seite wird demnächst gelöscht.
  • Dieses Blog wird nicht mehr aktualisiert. (Ist eh schon seit Monaten so.) Oder, um genau zu sein: Es wird nicht mehr regelmäßig aktualisiert. Sollte ich in Zukunft irgendwann ein akutes Mitteilungsbedürfnis haben, kann hier schon noch was dazukommen.
  • Der Twitter-Account bleibt, aber vor allem für „Warnmeldungen“ zu Wegsperren oder Schneeblockaden, auf die ich treffe.
  • Der Foto-Stream bei Flickr bleibt! Hier könnt ihr mir weiterhin zugucken, wenn ihr mögt.

Ich danke allen, die bis hierhin gelesen haben und/oder über die Jahre bergsommer genutzt haben.

Macht’s gut!


Reither Kogel: Voralpen-Feeling im Zillertal

15. Mai 2015

Ist es sinnvoll, von München aus nur für eine kleinere Tagestour bis ins Zillertal zu fahren? Ökologisch? Nein. Ökonomisch? Nein. Aber manchmal lohnt es sich irgendwie trotzdem.

Man könnte ja meinen, ich hätte das Zillertal wandertechnisch inzwischen einigermaßen abgegrast. Aber nein – zum Beispiel bin ich noch nie auf dem Reither Kogel gewesen. Der steht zwischen Bruck im Zillertal und Reith im Alpbachtal und sieht, ganz ehrlich, nicht danach aus, als würde er sonderlich oft vom Zillertal aus bestiegen. Von Reith aus kann man nämlich die Seilbahn nehmen und hat dann nur noch eine halbe Stunde bis zum Gipfel. Gleichzeitig wirkt der Berg im Vergleich zu seinen Zillertaler Nachbarn ziemlich zahm: ein bewaldeter Hügel von gerade mal 1336 m. Am Gipfel wurden ein paar Bäume gefällt, damit man zumindest einen Blick ins Zillertal und auf die Berge um Alpbach herum werfen kann.

Zillertal-Panorama

Der Weg hinauf von Bruck ist allerdings erstaunlich schön. Man hat die Wahl zwischen einem längeren Weg mit einigem an Fahrweg oder einem steilen Waldpfad, der streckenweise erstaunlich alpin daherkommt. Ich bin den Steig hinauf und die Fahrstraßenroute hinuntergegangen. Wegen Holzarbeiten (denke ich) musste ich im Abstieg einen noch etwas größeren Schlenker machen als geplant, aber selbst das war noch okay. Dabei habe ich dann gelernt, dass es eine (schmale, bergige) Straße zwischen Zillertal und Alpbachtal gibt.

Wieder einer von der Schon-lange-mal-Liste gestrichen. Dabei ist doch erst Mai…


Das Leistungsniveau im April am Wank

14. Mai 2015

Im April ist der Wank weit und breit der einzige höhere Berg mit einer geöffneten Seilbahn, der gleichzeitig einen Anstieg über einen Südhang zur Bergstation aufweist. Soll heißen: einen Anstieg, von dem man relativ früh annehmen kann, dass er schneefrei sein wird. Das macht den Wank zu einem hervorragenden Berg, um die eigene Kondition zu testen und zu trainieren, bevor es so richtig in die Bergsaison geht. Also findet man auch mich im Frühjahr gern mal dort.

Eckenhütte-PanoramaDieses Jahr allerdings hat mich der Wank-Aufstieg ein bisschen frustriert: Ständig wurde ich überholt! Noch nicht so sehr auf dem ersten Teilstück von der Talstation über St. Anton bis zur Gamshütte. Aber dann! Bis zum Gipfel hatten mich bestimmt zehn Leute überholt, vor allem Bergläufer, aber auch Wanderer. Verdammt, wie langsam war ich denn?!

Durch das Auf und Ab am Anfang kann man auf dieser Strecke unterwegs auch nicht so ganz einfach seine Höhenmeter-Geschwindigkeit messen. Also habe ich mich nach oben geschleppt, im Wankhaus schnell eine Speckknödelsuppe gegessen (bisschen fade) und bin dann ein bisschen verunsichert in die Bahn gestiegen. Wieder zuhause angekommen, stellte sich dann raus: Zwischen Gamshütte und Wankhütte hatte ich einen mehr als zufrieden stellenden Durchschnitt von 490 Höhenmetern pro Stunde!

Was mich zu der Frage bringt: Was ist denn das für ein verrücktes Leistungsniveau am Wank, im April?