Hohe Salve – Der unglamouröseste Berg der Nordalpen

20. Mai 2012

Frühling am Salvenberg

Wirklich. Der Gipfel ist von zwei Seiten mit Seilbahnen erschlossen, es gibt eine Kirche, ein Restaurant und eine Funkantenne. Und um hinzukommen, muss man zwangsweise lange Zeit durch Skigebiet laufen.

Letzteres hatte ich allerdings zu vermeiden versucht, indem ich mir eine besonders augefuchste Kombination von Wanderwegen ausgesucht hatte. Das blöde dabei war nur: Die Wanderwege auf der Karte waren nicht dieselben wie auf dem GPS, und beide hatten wenig gemein mit der Realität. Also stand ich irgendwann in einem extrem steilen Wald ohne Weg, dann in einer eingezäunten (aber immerhin nicht mehr ganz so steilen) Wiese und schließlich auf einer Asphaltstraße. Dort bin ich dann – im Nachhinein betrachtet – in die falsche Richtung gegangen, weil ich so froh war, überhaupt wieder etwas Wegartiges gefunden zu haben.

Aber am Ende habe ich es bis zum Gipfel geschafft, auch wenn ich dafür von Hochbrixen aus durchs Skigebiet laufen musste. Ja, okay, der Blick ist ja schon schön.

In einer mittelgroßen Schleife bin ich dann erst in Richtung Hopfgarten abgestiegen und auf halber Höhe zur Keatalm gequert. Nicht, dass es an der Abzweigung einen Wegweiser gegeben hätte. Überhaupt – an welchen Kreuzungen hier Wegweiser stehen und an welchen nicht, scheinen die Verantwortlichen in der SkiWelt ausgelost zu haben…

Außerdem lag da noch viel Schnee im nordexponierten Steilhang – aber es ging noch einigermaßen und hey, no risk, no fun. Nachdem ich dann an der Keatalm noch einmal einen Wegweiser ignoriert hatte (und damit Recht behielt), habe mir dann die Talabfahrt nach Brixen gegönnt. Meine Knie waren sehr dankbar.


Trockenbachalm – Später Sieg der Vernunft

19. November 2011

Kelchsau

Nein, natürlich wollte ich eigentlich nicht zur Trockenbachalm wandern. In einem leichten Anflug von Größenwahn wollte ich eigentlich zum Schwaigberghorn und danach vielleicht noch zum Feldalphorn. Anspruchsvolles Programm. Nur leider habe ich mich gleich zu Beginn der Tour verlaufen. (Der Steig, der auf manchen Wanderkarten verzeichnet ist, um den Fahrweg in Richtung Schwaigberghorn abzukürzen? Existiert nämlich nicht.)

Na gut, also bin ich erstmal in Richtung Feldalphorn gegangen. Aber auf etwas mehr als halber Höhe kann man ja ohne Höhenverlust in Richtung Schwaigberghorn queren. Ist auch so… im Sommer. Und vielleicht auch zu anderen Jahreszeiten. Aber nicht heute: Da lag nämlich auf halber Strecke der Querung plötzlich ein ca. fünf Meter langer Abschnitt mit Blankeis (drei, vier Zentimeter dick) vor mir. Nun hatte ich keinen Eispickel dabei (nicht mal Spikes), und umgehen war im steilen Gelände auch nicht möglich. Also bin ich, etwas frustriert, wieder umgedreht.

Zurück an der Trockenbachalm hat mich mein GPS-Gerät dann informiert, dass ich bereits 930 Höhenmeter auf dem Buckel hätte, und da erschienen mir die nächsten 400 Höhenmeter zum Feldalphorn dann doch ein bisschen viel (nicht, dass es zum Schwaigberghorn viel weniger gewesen wären… ich sag ja, Größenwahn).

Also blieb die Trockenbachalm das De-facto-Ziel. Und jetzt muss ich morgen wohl doch noch mal los – denn so kann die Saison eigentlich nicht enden…


Spießnägel – So spießig nun auch wieder nicht

13. November 2011

Hirzegglacke und Großer Rettenstein

Ich muss ja zugeben, ich hatte vorher noch nie was von den Spießnägeln gehört. Denn an die würde ich mich erinnern bei dem lustigen Namen. Aber dann habe ich sie auf der Wanderkarte gesehen, und sie passten mir genau ins Schema: nicht so viele Höhenmeter, nicht sooo weit zu fahren, noch mal was Neues entdecken im Spätherbst… also los.

Ich bin durch den Unteren Grund erst zur Hirzeggalm raufgelaufen – nett, aber die ewig langen Kehren im Wald ohne nennenswerten Höhengewinn zum Schluss hin sind schon ein bisschen nutzlos. Von dort aus bin ich zum ersten Spießnagel (dem mit dem Gipfelkreuz) rauf und habe sie dann überschritten. Der Föhn blies da oben ganz schön, darum stand eine längere Rast nicht zur Debatte.

Von “hinten” ging’s dann zurück zur Alm und über die Fahrstraße und später den Steig in den Oberen Grund runter und zurück zum Auto. Eine sehr schöne, wenn auch eher unanspruchsvolle Tour, wenn man nicht gleich den großen Sprung zum benachbarten Großen Rettenstein machen will.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Hamberg – Nur noch ein 2000er vorm Winter…

26. Oktober 2011

Mittleres Zillertal

Uff, ich hänge mal wieder etwas zurück. Also!

Vorletztes Wochenende war ich mal wieder auf dem Hamberg – ein Gipfelziel, das ich uneingeschränkt empfehlen kann. Von Gattererberg bin ich in Richtung Märzengrund und über die Südseite aufgestiegen, vom Gipfel aus dann über den Westhang hinab in die (grobe) Richtung von Hart – bei Nässe würde ich den Weg allerdings umgekehrt empfehlen. Den Abstieg kannte ich nämlich noch nicht, und er ist steiler, als ich erwartet hatte – führt aber durch interessantes, abwechslungsreiches Gelände. Der Südaufstieg dagegen eignet sich auch sehr gut, wenn schon ein bisschen Schnee liegt.

Und das der Blick vom Hamberg großartig ist – Zillertal, Alpbachtal, in den Märzengrund, ins Inntal und bis zum Achensee – versteht sich eigentlich fast von selbst, oder?

Nur dass am Ausgangspunkt in Gattererberg der eigentliche Wanderparkplatz gesperrt war, aber trotzdem ein Wegweiser mich dort hinwies, fand ich nicht so toll. Dementsprechend verwirrt bin ich dann nämlich ein Stück über einen ziemlich schlaglochintensiven Forstweg gefahren und hab mein Auto dabei zweifellos ordentlich von unten zerkratzt. (Für ein paar Autos ist aber zum Glück auch (Park-)Platz am Straßenrand.)

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Wiedersberger Horn – Dasselbe nochmal, aber hübscher

20. September 2011


Kohlgrubalm

Und noch ein Tag, an dem ich lieber nicht so viel bergab gehen wollte. Nach sorgfristiger Abwägung der in Frage kommenden Seilbahnen und Buslinien habe ich mich am Schluss fürs Wiedersberger Horn entschieden. Da war ich zwar schon ein paarmal, aber das ist auch alles schon eine Weile her. Und das Wegenetz ist so, dass ich den 1300-Höhenmeter-Aufstieg, vor dem ich schon etwas Respekt hatte, an gleich zwei Stellen hätte verkürzen können.

Der Nachteil machte sich allerdings gleich beim Parken bemerkbar: Im Gegensatz zur Kampenwandbahn setzen die Alpbacher Bergbahnen zur Parkraumbewirtschaftung keine Praktikantin ein, sondern benutzen einen dieser bescheuerten Parkscheinautomaten, bei denen man ausschließlich mit Münzen bezahlen kann. Keine Geldscheine, keine Geldkarte, keine EC-Karte. Wie ich das hasse! Ich schwöre, nächstes Jahr lege ich mir ein Depot aus zwanzig 1-Euro-Münzen im Handschuhfach an. Also musste ich warten, bis die Tankstelle gegenüber aufmachte, um an Kleingeld zu kommen… als ich endlich aufbrechen konnte, war die Seilbahn auch schon in Betrieb.

Der Weg hinauf ist erstaunlich abwechslungsreich. Naturgemäß gibt es viel Wald, aber auch einige niedrige Almen. Hinter der Kohlgrubalm geht es dann so richtig ins Gelände… und dann trifft man auf die Seilbahnfahrer, die sich über den “Panoramaweg” mühen, der zwar nicht sehr schwer ist, aber doch ordentlich bergauf geht, was nicht unbedingt von “Panoramawegen” in Seilbahnnähe erwartet wird.

Am Gipfel war es dann zum Glück zwar belebt, aber längst nicht so voll wie an der Kampenwand. Und die Talfahrt mit der Seilbahn war auch deutlich angenehmer. (Ja, und auch billiger.)


Floch & Brechhorn – Die Suche nach dem Gipfel

24. August 2011

Floch

Eigentlich wollte ich nur eine kleine Tour machen, weil es morgens mal wieder recht spät geworden war… und weil es heiß werden sollte, wollte ich einigermaßen weit rauf. Also: Seilbahn. Ausgesuchte Tour: Zum Brechhorn, von Westendorf aus.

Die Tour ist aber gar nicht mal so kurz. Wenig Höhenmeter hat sie zwar, aber die horizontale Strecke ist doch schon ordentlich lang. Und weil an der Brandeggalm der Weg zum Floch viel interessanter aussah als der Weg zum Brechhorn, bin ich auch erstmal noch zum Floch gegangen.

Also, fast. Der Floch hat ein Gipfelkreuz, aber das steht nicht auf seinem Hauptgipfel, sondern auf einem Vorgipfel. Trotzdem steht zur Verwirrung der Wanderer “Floch-Gipfel” und die Höhenangabe vom Hauptgipfel drauf. Aber als ich das alles gemerkt hatte, hatte ich keine Lust mehr, auch noch den – etwas entfernt liegenden – Hauptgipfel zu stürmen.

Schließlich musste ich ja noch aufs Brechhorn. Der Weg vom Floch zum Brechhorn ist zwar nicht auf allen Karten eingezeichnet, aber er ist ausgeschildert und markiert und zumindest aufwärts auch gut begehbar. (Abwärts wären die unteren 20 Höhenmeter wohl eher unangenehm.)

Auch auf dem Brechhorn habe ich mich aber nicht lange aufgehalten, denn ich musste ja noch in Richtung Westendorf zurück vor der letzten Talfahrt. So war das alles ein bisschen hektisch – aber trotzdem ganz nett.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Gaisberg – Wo ist jetzt hier genau der Gipfel?

20. Juli 2011

Großer Rettenstein

Wie stellt man sicher, dass ein Weg wenig begangen wird? Man zeichnet ihn gar nicht erst auf der großen Image-Werbe-Panoramakarte des Gebiets ein; und man entfernt einfach die ersten dreihundert Meter, indem man irreführende Wegweiser aufstellt.

So geschehen in Kirchberg – wenn man vom Ort aus zur Kobinger Hütte will. Am Anfang gibt es zwar einen Weg, aber dann muss man sich ein paar Hundert Meter durch Wiese und ein kleines Wäldchen schlagen, bevor man dann doch wieder auf den ab jetzt durchgängig beschilderten und markierten Weg kommt. Völlig unverständlich, aber was soll’s; ich kann ja Karten lesen.

Und vielleicht war das ja auch zum Teil ein Grund dafür, dass relativ wenig los war. Die Menschenmengen, die der Sessellift eigentlich generieren müsste, habe ich jedenfalls fast vollständig umgangen; nur an der Kobinger Hütte hatte ich Kontakt zu ihnen, und dann nochmal am Ende zwischen der Bärstättalm und der Liftstation. (Ja, ich war schon wieder zu faul für einen kompletten Abstieg.) Erstaunlich wenig los war dagegen auch auf dem Abschnitt von der Kobinger Hütte bis zum Gaisberg.

Der Gaisberg selbst ist… hm… gewöhnungsbedürftig. Es gibt zwei Gipfelkreuze auf dem langgezogenen Gipfelgrat: Eines steht mitten drauf, aber so weit westlich, dass man sich nicht vorstellen kann, schon am Gipfel zu sein. Das andere steht hundert Meter unter der höchsten Stelle am Ostende des Grates. Und überall stehen Kühe. Gipfelkühe.

Aber das Panorama war mal wieder sehr schön.

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Kleiner Pölven – Was man so “Wegweiser” nennt…

19. April 2011

Am Schwoicher Kreuz

Der Kleine Pölven erschien mir wie ein weiteres, sinnvolles Frühlingsziel: ein südseitiger Aufstieg und nicht so ganz hoher Gipfel (1562m). Der Aufstieg war auch echt schön: durch den Wald und kurz über die steilen Almwiesen an der winzigen Reiteralm, und dann ist man auch schon bald am Gipfel.

Oder, im Gipfelbereich. Denn eine konkrete Spitze gibt es eigentlich nicht. Dafür gibt es gleich zwei Gipfelkreuze, von denen das zuerst erreichte, das Söller Kreuz, das höhere, größere und schon auch das panoramablickgefälligere ist. Das Schwoicher Kreuz dagegen liegt ein bisschen im Wald und blickt, okay, immerhin aufs Unterinntal.

Der nordseitige Abstieg, der, das muss man fairerweise sagen, auch mit “sehr steil” markiert war, war… nun ja, sehr steil eben. Er führt ca. 400 Höhenmeter lang durch Bergwald, der mit Felswänden durchsetzt ist, und ist sogar sporadisch seilgesichert. Ohne Stöcke wäre der Weg kaum zu machen gewesen.

Und als ich endlich aus dem vermeintlich steilsten Wald Tirols herauskam, stieß ich auf einen Wegweiser “Pölvenrundweg gesperrt”. Äh, ja, ich hatte nicht vor, wieder zurück zu steigen! Also habe ich eine gute Viertelstunde den angeblich gesperrten Weg gesucht und schließlich auch gefunden (wer das nachmachen will: direkt rechts am Rand der kleinen Wiese entlang, im Wald ist der Weg dann wieder deutlich erkennbar). Und Wunder über Wunder: Der Weg war perfekt zu gehen, absolut kein Grund zu sehen, warum er gesperrt sein sollte. Das war mal der nutzloseste Wegweiser aller Zeiten!

Der Rückweg nach Söll wirkte dann trotzdem noch länger, als ich nach der Karte gedacht hatte, aber ganz hübsch. Alles in Allem eine lohnenswerte Tour, auch wenn ich mir beim nächsten Mal überlegen würde, sie in der anderen Richtung zu gehen…

Alle Infos zur Tour gibt’s hier.


Horler Stiegl – Der Frühling ist auch nur ein Poser

3. April 2011

Hintere Wildschönau

Das war mal ein eher enttäuschender Bergtag, aber das kommt vermutlich (zumindest teilweise) davon, wenn man zu früh im Jahr zuviel will.

Der Reihe nach

  • gab es da keinen Parkplatz, wo ich eigentlich hinwollte (Breitenbach-Schönau), obwohl im Internet jemand einen gefunden hatte; also musste ich kurzfristig umdisponieren,
  • gab es in der Wildschönau dann zwar genug Parkplätze, aber das letzte Stück des avisierten Gipfels (Turmkogel), das man hätte “wild” gehen müssen, blieb mir wegen Massen an Schnee versperrt,
  • muste ich mich durch selbige Massen (teilweise hüft-, meistens kniehoch) dann mühsamst kämpfen,
  • hatte ich natürlich nach kürzerster Zeit patschnasse Füße und keine Ersatzsocken dabei,
  • war der einzige brauchbare Rastplatz (zum Sockentrocknen und so) an der Horler Stiege vom letzten Okkupanten leider völlig verdreckt zurückgelassen worden,
  • entpuppte sich der Abstieg fast durchgängig als nervige und nicht enden wollende Asphaltstraße
  • und habe ich mir in den nassen Schuhen auch noch eine unschöne Blase gelaufen, die mich einen Tag pausieren lässt.

Naja, die Saison ist ja noch lang…


Bergwinter: Rauher Kopf – Südhänge und Hochspannungsleitungen

15. März 2011

Am Sonnberg

Vielleicht sollte ich lieber “Bergfrühling” schreiben? Aber das wäre ja auch irgendwie albern. Ab jetzt ist alles vor Beginn der Sommerzeit “Winter”, Ende der Diskussion.

Einiges an Schnee hatten wir jedenfalls auch noch, als wir am letzten Samstag von Kirchberg zum Rauhen Kopf gelaufen sind; so ist es ja nicht. Wir hatten den Weg zwar ausdrücklich danach ausgesucht, dass er fast vollständig über einen Südhang führte. Aber erstens ist das auch keine Garantie, wie sich herausstellt; und zweitens gab es mal wieder Teile des Weges auf der Karte in der Wirklichkeit gar nicht. Das führte dann zu sehr viel mehr Fahrweggehen als geplant, aber: Angesichts des Schnees keine ganz schlechte Sache.

Vom Gipfel hat man einen schönen Blick aufs Kitzbüheler Horn und über Kirchberg hinweg in die sonstigen Kitzbüheler Alpen. Der Blick zum Wilden Kaiser hingegen existiert zwar, lässt aber aufgrund von Wald bzw. einer sehr ungünstig platzierten Stromleitung ein bisschen zu wünschen übrig.


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