Hintere Steinkarspitze

26. Oktober 2008

Niemand nimmt sich vor, auf die Hintere Steinkarspitze zu gehen. Ich auch nicht, ich wollte natürlich eigentlich auch zur Knittelkarspitze, wie alle anderen auch.

Aber irgendwie fehlte heute der entscheidende „Drive“, vielleicht steckte mir auch noch der die letzten Tage undiagnostiziert kratzende Hals in den Knochen… auf jeden Fall war es mir am Ende doch ein bisschen zu viel. Also habe ich kurzfristig umdisponiert und bis aus dem Steinkar nicht die (auch etwas wild aussehenden) Schrofenbänder zur Knittelkarspitze hochgekraxelt, sondern bin rechts abgebogen und habe mir dadurch einen gut 200 Meter niedrigeren Gipfel ausgesucht.

Und ich muss ja mal sagen: Die Hintere Steinkarspitze – absolut okay. Ein echt netter Berg ist das, ein bisschen so wie das benachbarte und ähnlich hohe Galtjoch, mit schöner Aussicht auf ca. 270° – und eben auf die Nordwand der Knittelkarspitze nebenan. Dieser Berg ist also mal definitiv unterbewertet.


Heimgarten

23. Oktober 2008

Ich gebe zu: Ich hätte mir denken können, dass am potenziell letzten schönen Herbstsonntag am Walchensee die Hölle los sein würde. Aber das man am äußeren – also dem bei weiten längeren und anstrengenderen – Weg zum Heimgarten am Vormittag gleich zweimal in einen regelrechten Stau gerät, das hätte ich mir nicht träumen lassen.

Naja, ich habe mehr Leute überholt als mich überholt haben (mein Maß für sportliche Leistung) und zumindest am Gipfel war’s nicht sooo voll – im Gegensatz zur Gipfelhütte, die zwanzig Meter weiter unten sitzt. Und der Gratweg zum Herzogstand ist dann auch noch wirklich schön, wenngleich mal wieder höhenmeterlastiger, als ich es nach flüchtigem Blick auf die Karte vermutet hätte.


Österreichischer Schinder

18. Oktober 2008

Die Schinder sind zwei benachbarte Gipfel hinter dem Tegernsee, der österreichische und der bayerische. Der österreichische ist etwas irreführend benannt, denn auch er steht nur zur Hälfte in Österreich – aber okay.

Ich würde unbedingt empfehlen, über das Schinderkar aufzusteigen und über die Trausnitzalm ab, und nicht umgekehrt. Das macht so herum einfach mehr Spaß, denn dann bestreitet man die kurzen, aber schon spannenden Kletterpassagen und die blöde lange Schuttreiße im Aufstieg, was immer leichter ist. Und man hat im Abstieg noch einige Zeit das schöne Panorama vor Augen. Beim Aufstieg hätte ich dafür eh keine Augen.

Jedenfalls: Ein sehr schöner Berg, der seinem Namen auch nicht so richtig gerecht wird. Aber da beklage ich mich nicht.


Galtjoch

12. Oktober 2008

Und dann habe ich zum Ende der Saison hin doch noch einen Berg für mich entdeckt, der – zumindest heute – nicht überlaufen ist, obwohl gut erreichbar und mit wunderschönem Panorama. (Nur: Vielleicht sollte ich das für mich behalten, anstatt es in alle Welt herauszuposaunen, oder?)

Der Beginn des Zustiegs vom Galtjoch liegt etwas versteckt unterhalb von Rinnen, und ich musste erstmal eine schmale Straße runter, die auf der Wanderkarte schon mit Fahrverbot belegt ist. Aber ich habe partout keine Schilder gesehen, also wird das schon okay gewesen sein.

Dann geht’s durch Wald und über Almen rauf zum Galtjoch. Leider versperren ein paar nahe Berge den Blick zu den ganz Großen im Süden, aber dafür sind die nahen Berge hübsch anzusehen. Was will man mehr.

Allein, dass Teile der Steige plötzlich nahe-kinderwagentauglich ausgebaut waren (meterbreit und flach eingekiest), fand ich etwas befremdlich. Erst dachte ich, das wäre für die Mountainbiker, aber dann stand am Ende der Strecke ein Fahrräder-verboten-Schild. Komisch.


Hochalmweg – Pitzenalm

11. Oktober 2008

Einmal noch wollte ich so richtig ins Hochgebirge, bevor der Winter losbricht – also, zumindest an eine Stelle, wo man das richtige Hochgebirge zumindest um sich rum hat. Die Schneeeinlage verhinderte für mich leider eine echte Gipfelbesteigung.

Also bin ich nach Ginzling gefahren, ans hinterste Ende des Zillertal, und dort von Alm zu Alm gelaufen (insgesamt waren es sechs, und eine siebte habe nur um wenige hundert Meter umgangen). Das klingt lahm, ist aber sehr, sehr schön, gar nicht sooo unanstrengend, und angenehm einsam.

Die einzigen Leute, die mir begegnet sind, waren zwei junge Frauen, die mir entgegen kamen; ein Almbauer mit seinem kläffenden Spitz; und eine mindestens 80-jährige Frau, die mit Gummistiefeln aus der Oberbödenalm kam und mir erklärte, dass sie heute noch bis „ganz weit rauf“ wollte. Ich hoffe, sie hat sich nicht zuviel zugemutet.

Jedenfalls: Höchst empfehlenswert, erst recht im Herbst. Großartiger Gipfelblick, aber maximal 1870m hoch und überwiegend südostexponiert, daher fast komplett schneefrei.


Gaislach – Tiefenbachferner

3. Oktober 2008

Es gibt so Wege, da fragt man sich, warum man dort alleine ist. Zugegeben, im Spätherbst verirren sich insgesamt weniger Leute in die Alpen, zumal tief drin in der Nähe des Hauptkamms. Und die, die es tun, scheuen sich vielleicht, nach den ersten Schneefällen noch in Höhen von über 2700m vorzudringen.

Trotzdem verstehe ich nicht, warum wir auf diesem wahnsinnig schönen Weg am letzten Wochenende total allein waren! Es ist eine abwechslungsreiche Tour, die erst kurz durch das Söldener Skigebiet führt (ab der Mittelstation der Gaislachkogel-Bahn), sich dann aber über ziemlich unberührte Natur zieht, über ein putziges Hochplateau mit einem verlandeten See und schließlich durch eine felsige Scharte.

Der einzige Nachteil: Dann steht man am – auch im Frühherbst noch total verlassenen – Tiefenbachferner und muss auf den Bus warten. Aber das macht dann auch nichts.


Hochjoch-Hospiz

3. Oktober 2008

Das Hochjoch-Hospiz hat eine lange und wechselvolle Geschichte hinter sich; es ist aber am Ende doch „nur“ eine Alpenvereinshütte, auch wenn sein Name für moderne Ohren leider irgendwie nach Siechtum und Tod klingt.

Man steigt von Vent aus auf langem, langem, aber nicht sehr anstrengendem Weg aus hierhin hoch und passiert dabei die gar-nicht-soo-spektakuläre Hängebrücke bei den Rofenhöfen und die Stelle, wo die Tiroler Wasserkraft gern einen neuen Staudamm bauen würde. (Aber sonst niemand einen haben will.)

Der Weg zur Hütte heißt Cyprian-Granbichler-Weg nach einem frühen Bergführer, der im tiefsten Winter für den heute einigermaßen berühmten Gletscherpfarrer Franz Senn den Weg gespurt hat und dann traurigerweise an Erschöpfung gestorben ist. Bis vor ein paar Jahren hieß er noch Titzenthalerweg nach ein antisemitischen Berliner Fotografen vom Anfang des 20. Jahrhunderts, was aber wahrhaftig weniger inspirierend war.